EKD: Neue Publikation zur Liturgie in der digitalen Welt

Viele erwarten beim Beten im Netz "sogar eine Erweiterung ihrer religiösen Erfahrungen. Für sie besteht offensichtlich kaum eine Trennung zwischen realen und virtuellen religiös-spirituellen Erfahrungen“, schreibt die deutsche Theologin Anna-Katharina Lienau. Foto: Fotolia
Viele erwarten beim Beten im Netz "sogar eine Erweiterung ihrer religiösen Erfahrungen. Für sie besteht offensichtlich kaum eine Trennung zwischen realen und virtuellen religiös-spirituellen Erfahrungen“, schreibt die deutsche Theologin Anna-Katharina Lienau. Foto: Fotolia

Frage nach Sakramenten werde neu gestellt

Hannover (epdÖ) – Eine neue Publikation zum Themenbereich Digitalisierung und Kirche kommt aus Deutschland. Der von der Liturgischen Konferenz für Gottesdienst, Musik und Kunst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) veröffentlichte Zeitschriftenband „Liturgie in der digitalen Welt“ versammelt auf knapp neunzig Seiten Beiträge von TheologInnen und PfarrerInnen aus Deutschland, der Schweiz, den USA sowie dem Österreicher Bernhard Lauxmann, die den Folgen der Digitalisierung für Kirchen auf den Grund gehen. In ihrem Editorial schreiben die Herausgeber Marcell Saß, evangelischer Theologe in Marburg, und Stephan Goldschmidt, Oberkirchenrat der EKD, „auch kirchliches Handeln, liturgisches Feiern und theologische Reflexionen sind angesichts von Digitalisierung und kommunikativen Veränderungen“ von einem Transformationsprozess betroffen. „Grundfragen christlicher Anthropologie und Ekklesiologie stehen zur Debatte.“

Der amerikanische Theologe Gordon S. Mikosi (Princeton) zählt in seinem auf Englisch und Deutsch vorliegenden Beitrag die Möglichkeiten der Digitalisierung für die kirchliche Praxis auf und spannt dabei den Bogen von Online-Predigten über elektronische Gemeindebriefe bis hin zu virtuellen Kirchen, die ein vollständiges Angebot von Gebet, Bibelstudium und Gemeinschaft abzudecken beanspruchen. Mikosi betont aber auch, dass die Online-Angebote die Rolle des Sakraments in Frage stellen könnten. Kirchen, die das Abendmahl nicht als Sakrament verstehen, hätten mit der Digitalisierung weniger Probleme; die Realität des Sakraments, die unter anderem in der Römisch-katholischen Kirche starke Betonung finde, werde aber auf jeden Fall neu thematisiert werden müssen. Die ohnehin strittige Frage der Anwesenheit Jesus‘ in der Eucharistie habe sich im digitalen Zeitalter noch einmal zugespitzt. Auch der „Körper“ der Gemeinde gehe durch digitale Formen der Liturgie verloren: „In einem echten Kirchenkontext kommt man oft mit Menschen jeden Alters und mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen, die man sonst nicht treffen würde.“

Anna-Katharina Lienau, Theologin aus Münster, präsentiert in ihrem Beitrag eine Typologie des „internetbasierten Betens“ und stellt Webseiten und Apps vor, die für das Beten im virtuellen Raum programmiert oder von Betenden zu eigen gemacht worden sind. Für viele sei das Beten im Netz Ergänzung mit dem Wunsch „Glauben auch dort ganzheitlich zu leben. Teilweise wünschen und erwarten sie sogar eine Erweiterung ihrer religiösen Erfahrungen. Für sie besteht offensichtlich kaum eine Trennung zwischen realen und virtuellen religiös-spirituellen Erfahrungen.“  Gerade für „digital natives“ stelle das Beten online keine Besonderheit mehr dar, sondern ermögliche ein Gebet „in Gemeinschaft über die Grenzen von Raum und Zeit hinweg“.

Die ganze Publikation „Liturgie in der digitalen Welt“ kann hier abgerufen werden.

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ISSN 2222-2464