„Eine andere Welt ist möglich“

Rund 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Österreichischen Sozialforum

Hallein, 11. Juni 2003 (epd Ö) „Frauen auf der ganzen Welt zählen durch die neoliberale Kürzungspolitik bei den Sozialleistungen mehrfach zu den Verlierern“, dies sagte Dr. Ilse Hanak vom Evangelischen Arbeitskreis für Weltmission (EAWM) Ende Mai bei dem viertägigen Österreichischen Sozialforum in Hallein. Rund 1500 Menschen trafen einander unter dem Motto des Weltsozialforums in Porto Alegre „Eine andere Welt ist möglich“. Hanak weiter: „Wir beobachten eine Verschiebung des Arbeitsaufwandes vom bezahlten auf den unbezahlten Sektor.“ In dem Workshop „Wirtschaft im Dienst des Lebens“ untersuchte Hanak die Auswirkungen der neoliberalen Globalisierung mit besonderem Augenmerk auf Frauen in Entwicklungsländern. Hanak betonte, dass bereits derzeit Frauen nur rund ein Drittel am Erwerbseinkommen haben, aber 67% der unbezahlten Arbeit leisten. „Dramatische Auswirkungen“, so Hanak, habe die neoliberale Politik im Bildungsbereich: „Zwei Drittel der weltweit 890 Millionen AnalphabetInnen sind Frauen.“ Auch im Gesundheitsbereich seien Frauen naturgemäß auf Gesundheitsdienste stärker angewiesen als Männer, „nicht zuletzt weil sie überwiegend die Betreuung der Kinder leisten, die auch diese Dienste brauchen.“ Die Verteuerung in diesem Sektor betreffe Frauen daher besonders stark.

Frauen Hauptverliererinnen des GATS

Zum aktuellen in der Welthandelsorganisation (WTO) verhandelten Dienstleistungsabkommen GATS (General Agreement on Trade in Services) erklärte Hanak, dass Frauen die Hauptverliererinnen der Regelungen des GATS seien. „Daher ist angesichts der für September 2003 geplanten WTO Konferenz eine intensive Zusammenarbeit von kirchlichen Gruppen mit Frauennetzwerken, Nichtregierungsorganisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen notwendig.“

Herausforderung durch die Kirchen des Südens

„Zu einem verbindlichen Prozess des Erkennens, Lernens und Bekennens im Kontext wirtschaftlicher Ungerechtigkeit und Naturzerstörung haben der Ökumenische Rat der Kirchen, der Reformierte und der Lutherische Weltbund ihre Mitgliedskirchen aufgerufen“, erläuterte Pfarrer Mag. Norman Tendis von der Initiative Solidarische und zukunftsfähige Kirche in seinem Beitrag den aktuellen ökumenischen Bekenntnisprozess. Herausgefordert durch die Kirchen im Süden, angesichts des Leidens der Menschen und der Zerstörung der Schöpfung hätten die Kirchengemeinschaften bekräftigt, „dass die Ideologie des Neoliberalismus unvereinbar ist mit der Vision der Ökumene, der Einheit der Kirche und der ganzen bewohnten Erde.“ Weit reichende und wachsende Ungerechtigkeit, Ausschluss und Zerstörung „stehen ihrer Meinung nach im Gegensatz zum Teilen und zur Solidarität, die unabdingbar dazugehören, wenn ChristInnen und Christen ein Leib Christi sein wollen,“ so Tendis.

Mernyi: Kirchen scheuen Bündnisse mit anderen Non Profit Einrichtungen

„Kirchen scheuen Bündnisse mit anderen Non Profit Einrichtungen, und damit vermeiden sie es, sich eindeutig zu positionieren“, sagte Mag. Gottfried Mernyi vom EAWM. Dies geschehe vielleicht „mit Rücksicht auf eigene Mitglieder und die eigene Finanzentwicklung“. Mernyi verwies aber auch auf „vorbildliche Projekte“ wie das Ökumenische Sozialwort oder die Nachhaltigkeit im Konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

„Die Kirchen in Europa sind noch immer paternalistisch eingestellt“ sagte Mernyi in Bezug auf die weltweite Ökumene. Dies sei der Grund, warum es so gut wie keine Lerngemeinschaften mit Partnerkirchen des Südens gebe, um gegen negative Entwicklungen zu reagieren. „Ich meine damit Lerngemeinschaften, die voneinander und miteinander lernen, die ihre Entwicklungen einander mitteilen und Hintergründe transparent machen.“

Mernyi betonte, nicht in ein „Klagelamento“ verfallen zu wollen, sondern sich der Hinderungsgründe bewusst zu werden, „denn wenn wir die Mechanismen für Defizite erkennen, können wir sie aushebeln.“

ISSN 2222-2464