EAWM: Inhaftierter Mitarbeiter in Tansania wieder freigelassen

Evangelischer Arbeitskreis für Weltmission in Österreich kritisiert Diskriminierung von Menschen mit AIDS

Wien/Iringa – Der Evangelische Arbeitskreis für Weltmission in Österreich (EAWM) hat die Freilassung seines Mitarbeiters Jackson Mbogela aus der Polizeihaft in Iringa/Tansania bestätigt. Jackson ist Mitarbeiter des EAWM und berät die vom EAWM geförderte HIV- und AIDS-Selbsthilfegruppe PIUMA im Bezirk Makete im südwestlichen Hochland Tansanias. Mbogela wurde seit Freitag, dem 6. Oktober, von der Polizei im regionalen Gefängnis festgehalten. Seine Inhaftierung steht in Zusammenhang mit der Verhaftung eines Journalisten, welcher über ein kürzliches Treffen zwischen Bewohnern des Bezirkes Makete und dem Premierminister von Tansania berichtete.

Bei diesem Treffen sprachen Vertreter von PIUMA, unter ihnen auch Mbogela, die schlechte Qualität der HIV- und AIDS-Betreuung im örtlichen lutherischen Krankenhaus an, wo laut PIUMA abgelaufene Medikamente zur Behandlung des HIV-Virus verteilt werden. Außerdem verwiesen die Vertreter von PIUMA auf die Unterschlagung von Spendengeldern durch das örtliche Gesundheitssystem und kirchliche Mitarbeiter. Notizen, Videobänder und andere Beweise des Journalisten wurden vor seiner Freilassung in der letzten Woche durch Polizeibeamte beschlagnahmt. Mbogela wurde zu diesem Zeitpunkt nicht beschuldigt oder verhört, durfte Iringa aber nicht verlassen. Der EAWM und PIUMA fordern nun eine Untersuchung der Inhaftierung ihres Mitarbeiters.

Menschenrechte verweigert

„Als Tansanianer bin ich zutiefst enttäuscht, dass die Polizei nicht dem eigentlichen Verfahren in einer solchen Angelegenheit gefolgt ist“, erklärte Mbogela. „Der Kampf gegen HIV und AIDS werde oft zu einem Kampf um die Akzeptanz für die grundlegenden Menschenrechte.“

„Das war eine schlimme Verletzung von Herrn Mbogelas Menschenrechten“, sagte Mag. Gottfried Mernyi, Generalsekretär des EAWM in Wien. Man sei erleichtert, dass Mbogela nicht mehr inhaftiert ist. Es wäre jedoch ärgerlich, „dass ihm seine Menschenrechte so offenkundlich durch die Verantwortlichen der Polizei verweigert worden sind“, betonte Mernyi. „Wir sehen das auch als den letzten Schritt in einer eskalierenden Einschüchterungskampagne gegen PIUMA und seine Partner.“

PIUMA und EAWM wurden von dem örtlichen lutherischen Krankenhaus im April dieses Jahres ausgeschlossen, nachdem sie Rechenschaft über verschwundenes Geld gefordert hatten. Beamte des Krankenhauses, das unter der Aufsicht der Südlichen Zentralen Diözese der Evangelischen Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT/SCD) steht, werden beschuldigt, das Geld gestohlen zu haben. Seit dieser Zeit sind mindestens 19 der von PIUMA und EAWM registrierten Patienten gestorben. Der medizinische Direktor der Klinik, Dr. Rainer Brandl, glaubt, dass einige dieser Sterbefälle in Zusammenhang stehen mit der laut Brandl „unangemessen Pflege“ durch das Personal, das die Erkrankten am Bulongwa Lutheran Hospital übernommen habe.

Krieg gegen HIV und AIDS

„Diese Belästigung der Menschen, die mit HIV und AIDS leben, muss aufhören“, sagte Mernyi. „Tansania ist ein Land, das sich selbst verpflichtet hat zur Sicherung von grundlegenden Menschenrechten, und HIV und AIDS den Krieg erklärt hat.“

PIUMA, dessen voller Titel auf Kiswahili „pima ishi kwa matumaini“ heißt, bedeutet „Prüfe und lebe in Hoffnung“. Seine Mitglieder kämpfen für Gerechtigkeit und Würde für Menschen, die mit HIV und AIDS im Bezirk Makete mit ihren Familien leben.

ISSN 2222-2464