Duzdar: „Mit Zivilcourage das Netz zurückerobern“

Das Internet darf nicht zum Ort des Hasses werden. Staatssekretärin Muna Duzdar beim Reformationsempfang. Foto: epd/Uschmann
Das Internet darf nicht zum Ort des Hasses werden. Staatssekretärin Muna Duzdar beim Reformationsempfang. Foto: epd/Uschmann

Staatssekretärin präsentiert Kampagne gegen Hass im Netz beim Reformationsempfang

Wien (epdÖ) – „Digitale Zivilcourage“, das forderte Staatssekretärin Muna Duzdar beim Reformationsempfang am 3. November im Wiener Odeon-Theater. Man dürfe das Internet nicht wenigen, hasserfüllten Menschen überlassen, die Hetze mit Meinung verwechseln und aus dem Internet einen Ort des Hasses machen würden. „Aus diesem Grund hat die österreichische Bundesregierung die Initiative gegen Hass im Netz gestartet“, sagte Duzdar in ihrer Festrede bei dem Empfang der Evangelischen Kirchen in Österreich.

Das Netz als Ort und Raum der offenen Kommunikation entwickle sich immer mehr zu einem Ort der Hassgeschichten und Parallelwelten, die zu einem massiven Problem für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie werden können, warnte die Staatssekretärin. „Im Frühjahr 2016 haben wir gesehen, wohin Hass im Netz führen kann. Der Mord an der englischen Parlamentsabgeordneten Jo Cox hat gezeigt, dass der Hass der Worte zum Hass der Taten werden kann.“ Die Labour-Abgeordnete Cox, die an der Kampagne gegen den Brexit beteiligt war, wurde wenige Tage vor der Abstimmung auf offener Straße ermordet.

Dem Hass im Netz könne man aber nicht allein mit gesetzlichen Änderungen entgegenwirken, vielmehr müsse die Zivilgesellschaft im Internet aktiv werden. Darum habe die Bundesregierung im Rahmen der Initiative gegen Hass im Netz beispielsweise einen Argumentationsleitfaden sowie zehn Tipps gegen Hasspostings erarbeitet, die jetzt auf Freecards verbreitet werden. „Es braucht Menschen, die sich organisieren, die sich zusammentun, die mit Mitteln der Zivilcourage das Netz zurückerobern“, so die Staatssekretärin.

„Mit dem Löschen der Hasspostings löscht man aber nicht automatisch den Hass“, gab Duzdar zu bedenken. Es sei wichtig, zu erkennen, dass diese Entwicklungen im Netz nicht losgelöst seien von den Entwicklungen in der Gesellschaft. Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie, Homophobie und andere Arten von Hass träten nicht nur im Internet auf.

„Religionen sind unsere Bündnispartner im Kampf gegen den Hass im Netz“, betonte Duzdar abschließend. Es gehe um Fragen der Solidarität, der sozialen Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit. Hier sieht Duzdar in den Religionsgemeinschaften Verbündete.

Zum Reformationsempfang hatten die Evangelischen Kirchen in das Wiener Odeon-Theater geladen. Der Empfang bildete den Auftakt zum Reformationsjubiläum 2017 – 500 Jahre Reformation.

Bilder zum Reformationsempfang auf: foto.evang.at

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ISSN 2222-2464