„Durch Podcast kann die Kirche gesellschaftliche Themen vorgeben“

Podcast-Pfarrer Hans Spiegl ruft bei der Hauptversammlung des Evangelischen Presseverbandes die Kirche zum Bloggen auf

Wien (epd Ö) – „Durch Podcast kann die Kirche gesellschaftliche Themen vorgeben.“ Das war die These des evangelischen Pfarrers von Bischofshofen und St. Johann im Pongau, Mag. Hans Spiegl, in einem Vortrag anlässlich der Hauptversammlung des Evangelischen Presseverbandes in Österreich am 18. Februar in den Räumen des Evangelischen Zentrums in Wien.

Spiegl, der seit eineinhalb Jahren täglich eine kurze „Radiosendung“ mit dem Titel „Tagebuch eines Pfarrers“ als seinen selbst produzierten Podcast ins Internet stellt, erläuterte: „Podcast heißt: Ich bin der Sender, ich mache selbst Nachrichten.“ Blog sei ein öffentliches Internettagebuch, Podcast sei eine Spezialform des Bloggens zum Hören oder Sehen als Audio-Podcast bzw. Video-Podcast.

Den Erfolg dieser medialen Kommunikationsform führte Spiegl auf ein tiefes Misstrauen zurück, das in der Gesellschaft gegenüber den etablierten Medien herrsche. Für viele Menschen sei nur das glaubwürdig, „was persönlich im Netz steht“. Spiegl: „Blogs müssen persönlich sein, es muss um reale Erlebnisse gehen – theologisch reflektiert oder aus dem Bauch.“ Menschen seien in der heutigen Gesellschaft nur vertrauenswürdig, „wenn sie etwas von sich zeigen“. Sein „Tagebuch eines Pfarrers“ sei sehr privat gehalten, das wirke glaubwürdig, weil es insbesondere in einem römisch-katholischen Umfeld zeige, dass ein Pfarrer „ein normaler Mensch“ sei.

Zur gesellschaftlichen Bedeutung des Bloggens erklärte der Referent, 30 Prozent der Bevölkerung seien der Ansicht, was nur in der Zeitung berichtet werde, existiere nicht. Auch sei ein Blog dem Fernsehen gleichwertig. Rezipienten der Blogs seien vorwiegend jüngere Männer, die allen gesellschaftlichen Schichten angehörten.

„Bloggen führt zu einer wachsenden Kirche“

In diesem Zusammenhang stellte Spiegl die Frage: „Warum findet man zu vielen Themen der Kirche keine Blogs?“ Die Menschen erwarteten, „dass wir etwas in zeitnaher Form sagen“. Allerdings seien ihnen „innerkirchliche Geschichten total wurscht“. Dennoch sei es seine Erfahrung, dass das Bloggen zu einer wachsenden Kirche führe. Blogger vernetzten sich und könnten sich auch zu sozialen Aktionen zusammenschließen. Der Pfarrer hat auch erlebt, dass Menschen durch die Kontakte im Bloggen wieder in die Kirche eintreten.

Auf der Hauptversammlung des Evangelischen Presseverbandes wurde auch der Vorstand neu gewählt. Obmann ist, wie in den vergangenen Jahren, der niederösterreichische Superintendent Mag. Paul Weiland, als Geschäftsführer wurde Pressepfarrer Dr. Thomas Dasek bestätigt.

ISSN 2222-2464