Dura: „Allen Kirchen gemeinsam ist Verwurzelung im Judentum

Dura: "Wer Jesus begegnet und als Christ leben möchte, begegnet dem Judentum."
Dura: "Wer Jesus begegnet und als Christ leben möchte, begegnet dem Judentum."

„ÖRKÖ-Gottesdienst zum „Tag des Judentums“

Wien, (epdÖ) – Die Bedeutung des Judentums gerade auch für die Einheit der Christen hat der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura betont. „Bei allen Trennungen der Christenheit untereinander ist allen Kirchen gemeinsam, dass sie im Judentum verwurzelt sind“, so Dura wörtlich in seiner Predigt am Dienstagabend, 17. Jänner, beim Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) zum „Tag des Judentums“.

Ein Christentum ohne Bezugnahme auf seine jüdische Grundlage sei wie „ein Baum ohne Wurzeln“, sagte Dura in dem Gottesdienst in der evangelischen Auferstehungskirche im siebten Wiener Gemeindebezirk. Der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich erinnerte an Papst Johannes Paul II., der vor 25 Jahren gesagt habe: „Wer die jüdischen Wurzeln des Glaubens nicht hoch schätzt, kann nicht Christ sein“. Jesus Christus sei nicht zu haben ohne den Alten Bund, er sei nicht zu trennen und nicht zu verstehen „ohne die Sendung Israels“, so Dura: „Wer Jesus begegnet und als Christ leben möchte, begegnet dem Judentum.“

Der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar verwies darauf, dass es in der orthodoxen christlichen Tradition wichtige Einflüsse aus der jüdischen Praxis gebe. So sei beispielsweise das liturgische Beten der Orthodoxie zutiefst vom Alten Testament geprägt. Dura: „Mit Recht hat der Heilige Athanasios von Alexandrien verlangt, dass jeder aus der Kirche ausgeschlossen werden sollte, der das Alte Testament vom Neuen Testament trennen möchte.“
Der ÖRKÖ-Vorsitzende erinnerte auch an den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., der dazu aufgerufen habe, „die Folgen der gegenseitigen Feindschaft abzuschütteln und eine neue Beziehung untereinander aufzubauen, eine echte und authentische Beziehung, die der inneren Bereitschaft entspringt, einander zu verstehen und besser kennen zu lernen“.

Vor einem Monat, am 20. Dezember 2011, unterzeichneten in Nikosia das Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Zypern, Erzbischof Eminenz Chrysostomos, und der israelische Großrabbiner Yona Metzger eine gemeinsame feierliche Erklärung, in der die Theorie einer jüdischen „Kollektivschuld“ am Tod Jesu als absolut illegitim zurückgewiesen wird. Dura: „Es handelt sich um die erste offizielle Erklärung einer orthodoxen Kirche in diesem Sinn.“

ISSN 2222-2464