Down-Syndrom: Diakonie bietet Beratung für werdende Eltern

Die neue Beratungsstelle der Diakonie in Linz will werdende Eltern von Kindern mit Behinderung informieren und begleiten. Foto: Moroder/wikipedia
Die neue Beratungsstelle der Diakonie in Linz will werdende Eltern von Kindern mit Behinderung informieren und begleiten. Foto: Moroder/wikipedia

„Eltern nicht allein lassen“- Neue Beratungsstelle in Linz

Wien (epdÖ) – Eine Beratungsstelle für werdende Eltern von Kindern mit Behinderung eröffnete die Diakonie am Dienstag, 2. April, in Linz. „Der Fokus wird auf Beratung, Information und Begleitung während der Schwangerschaft liegen, wobei das Ziel ist, dass durch umfassende Information die Elternschaft von Kindern mit Behinderungen positiv gestaltet werden kann“, erklärte Andrea Boxhofer, Geschäftsführerin der Diakonie Linz, am Donnerstag, 28. März, bei einer Pressekonferenz in Wien.

Das Pilotmodell für medizinische ergebnisoffene Beratung und psychologische Unterstützung soll betroffenen Eltern die nötige Hilfestellung für eine bestmögliche autonome Gewissensentscheidung über eine mögliche Abtreibung oder ein mögliches Weiterleben des Kindes geben. „Es ist zutiefst evangelisch christlich, wenn wir sagen, das Gewissen des Einzelnen ist das Entscheidende“, meinte Diakonie-Direktor Michael Chalupka. Die jeweilige Entscheidung der Mutter sei zu respektieren, weder dürften „Urteile darüber gefällt“ noch von den betroffenen Frauen eine Rechtfertigung verlangt werden. Chalupka: „Uns geht es nicht darum, hier auf Eltern mit dem Finger zu zeigen oder ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern wir wollen eine entsprechende Informationsgrundlage schaffen.“

Die Beratungsstelle, in der eine Kinderärztin, eine Sonder- und Heilpädagogin sowie eine Psychotherapeutin die Eltern durch die Schwangerschaft, die Geburt und auch bei therapeutischen Maßnahmen hinterher begleiten, schließt eine Lücke. Denn obwohl das Regierungsprogramm von 2008 den „Ausbau psychosozialer Beratungsangebote für Eltern“ vorsieht, fehlten bisher entsprechende Maßnahmen des Familienministeriums, kritisiert die Diakonie. So werde die neue Beratungsstelle privat finanziert, öffentliche Gelder gebe es dafür nicht.

Man geht davon aus, dass in Österreich 90 Prozent der Kinder mit diagnostiziertem Down-Syndrom nie geboren werden. Die betroffenen Eltern stehen, so die Diakonie, vor großen Herausforderungen. Viele könnten sich ein Leben mit einem Kind mit Behinderung nicht vorstellen. „Das ist auch kein Wunder, da die notwendige soziale Absicherung, genauso wie unterstützende Dienstleistungen oder auch integrative Schulen oftmals nicht verfügbar sind“, stellte Chalupka fest. Helga Müller-Finger, Ärztin und Mutter einer behinderten Tochter, schilderte ihre leidvollen Erfahrungen während der Schwangerschaft. „Es wäre so wichtig, dass man in dieser Situation einerseits von Fachleuten Informationen bekommt und dass man andererseits das Gefühl vermittelt bekommt, man ist ein Mensch und kein Objekt. Und: Man ist nicht allein in dieser Situation.“

Einen erheblichen Ausbau- und Verbesserungsbedarf in der Beratung und Begleitung der betroffenen Familien ortet der Theologe und Medizinethiker Ulrich Körtner, der auch der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt angehört. Pränataldiagnostik leiste eine wichtigen Beitrag, weil sie helfe, bereits vor der Geburt Erkrankungen zu erkennen und so schon während der Schwangerschaft oder unmittelbar im Umfeld der Geburt therapeutische Maßnahmen gesetzt werden können. Es sei jedoch „unethisch, wenn werdende Eltern in dieser Konfliktsituation allein gelassen oder nicht ausreichend und umfassend beraten werden“. Die neue Elternberatungsstelle der Diakonie erfülle daher eine wichtige Aufgabe, entbinde jedoch nicht die Politik von ihrer Verantwortung, mahnte Körtner. Daher werde, wie Chalupka ankündigte, die Diakonie auch weiterhin die öffentliche Finanzierung dieser Beratungsangebote einfordern, denn: „Ohne fremde Hilfe kann man sich ein Leben mit Behinderung kaum vorstellen.“

ISSN 2222-2464