„Differenzen als Normalität annehmen“

Wenn Unterschiede bereichern: Mit der Realität konfessionsverbindender Ehepaare befasste sich eine Ökumene-Tagung in Wien. (Foto: Schomaker)
Wenn Unterschiede bereichern: Mit der Realität konfessionsverbindender Ehepaare befasste sich eine Ökumene-Tagung in Wien. (Foto: Schomaker)

Ökumene-Tagung zu konfessionsverschiedenen Ehen

Wien (epdÖ) – Wenn man die Unterschiedlichkeit als Normalität ansehen kann, dann wirkt diese Differenz bereichernd. Das war der Tenor der Tagung „Vielfalt-Einheit-Ganzheit“ der „ARGE Ökumene“ am Samstagvormittag, 18. Oktober, im Wiener Kardinal König-Haus, die sich mit den Realitäten in konfessionsverschiedenen Ehen beschäftigte. Eröffnet wurde die Tagung am Freitag mit einem ökumenischen Gottesdienst im Stephansdom, den Superintendent Hansjörg Lein und der katholische Weihbischof Franz Scharl gemeinsam gestalteten. Referiert haben unter anderem der evangelisch-reformierte Theologe Ulrich Körtner und die katholische Pastoraltheologin Regina Polak.

Für Ulrich Körtner ist Differenz immer eine Frage der Perspektive und Lebensrealität. Auf dem Podium würden Polak und er als katholische und evangelische Theologen unterschieden, in einem islamischen Land würden sie beide aber wahrscheinlich einfach als Christen bezeichnet werden. Deswegen seien Unterschiede in erste Linie menschengemacht. Auf der anderen Seite sei Differenz aber auch etwas Essentielles und für das menschliche Bestehen unabdinglich. Wären alle gleich, gäbe es keinen Grund mehr zum Dialog. Auch Gott unterscheide von Anfang an, beispielsweise zwischen Licht und Dunkel, Wasser und Land oder Mann und Frau. Aus dieser Teilung würde letztendlich die Schöpfung entstehen, so der systematische Theologe.

Regina Polak betonte in ihrem Vortrag, dass es von Gott gewollt sei, dass Differenz und Divergenz unter den Menschen bestehe. Das ließe sich auch an vielen Stellen der Bibel nachlesen. Es sei aber besonders als konfessionsverschiedenes Ehepaar wichtig, sich mit dieser Situation auseinanderzusetzen, um sich gegenseitig zu verstehen. Nur so könne aus dieser Differenz Normalität im positiven Sinne werden. Die vollkommene Anerkennung dieser Situation könne aber nur durch Kommunikationsprozesse erreicht werden. Man dürfe auch nicht versuchen, diese Normalität zu erzwingen, denn dies würde erst recht zu konträren Positionen führen. Die Formulierung der „versöhnten Verschiedenheit“ sieht Polak in diesem Zusammenhang als idealen Zustand.

Die „ARGE Ökumene“ wurde 1990 von drei konfessionsverschiedenen Ehepaaren aus Tirol, Salzburg und Wien gegründet. „Als konfessionsverschiedene Ehepaare haben wir nicht nur die schmerzliche Trennung der Kirchen am deutlichsten zu spüren bekommen, sondern auch Lösungen und Wege zur Einheit entwickeln können. Wir sind Betroffene der Kirchentrennung und versuchen, Motor der Einheit zu werden“, heißt es in einer Stellungnahme der ARGE. Die Tagung wurde am Sonntag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Lainzer Konzilsgedächtniskirche beendet. Weitere Informationen finden sich unter www.arge-oekumene.at.

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ISSN 2222-2464