„Die Zukunft der Theologie“ im Brennpunkt

Konsultation der Theologischen Fakultäten und Ausbildungsstätten in Europa

Graz, 10. Juli 2002 (epd Ö) Mehr als 60 Vertreterinnen und Vertreter von Theologischen Fakultäten und Verantwortliche für die theologische Ausbildung in den christlichen Kirchen haben in Graz über „Die Zukunft der Theologie“ und der theologischen Ausbildung beraten. Aus 24 europäischen Ländern sind die Delegierten vom 4. bis 7. Juli auf Einladung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität in das Grazer Bildungshaus Mariatrost gekommen. Mit der reformatorischen, der römisch-katholischen und der orthodoxen Tradition waren die repräsentativen christlichen Konfessionen vertreten.

In der Aula der Grazer Universität führten der Bischof von Graz-Seckau, Dr. Egon Kapellari, die Bischöfin von Holstein-Lübeck, Bärbel Wartenberg-Potter, und der Metropolit von Austria, Dr. Michael Staikos, in das Thema ein.

Im Verlauf der Konsultation wurden Referate zum Verhältnis von Theologie und Religionswissenschaft (Prof. Dr. Konstantin Delikonstantis/Athen; Prof. Dr. Sven Erik Brodd/Uppsala) und zur akademischen und beruflichen Ausbildung von Theologinnen und Theologen (Prof. Dr. Duncan Forrester/Edinburgh; Prof. Dr. Michael Beintker/Münster) gehalten. Die Redner betonten, dass die Religionswissenschaft die Theologie nicht ersetzen könne, und dass die Theologie gegenüber Kirche und Gesellschaft auch eine kritische Funktion ausüben solle. In Arbeitsgruppen erörterten die Deligierten die Themen ökumenische Aus- und Weiterbildung, geschlechtsspezifische Fragen in der theologischen Ausbildung und Qualitätssicherung in der theologischen Ausbildung.

Länder und Konfessionen übergreifende Zusammenarbeit der Theologischen Fakultäten

Als Resultat dieser Tagung formulierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Notwendigkeit einer verstärkten, Länder und Konfessionen übergreifenden Kooperation der Theologischen Fakultäten, Hochschulen und Institute. Der Austausch von Studierenden und Lehrenden und die Integration des ökumenischen Lernens in die theologische Ausbildung seien für die Zukunft der Kirchen Europas unverzichtbar. Als unerlässlich wurde die Erörterung ökumenischer Fragen und das bessere gegenseitige Kennenlernen der verschiedenen Kirchen und Konfessionen betrachtet. So könnten nicht nur einzelne ökumenische Spezialveranstaltungen angeboten werden, vielmehr solle der ökumenische Gedanke alle Lehrveranstaltungen befruchten und durchdringen. Im zusammenwachsenden, neuen Europa soll eine gemeinsame, wenn auch nicht uniforme, christliche Stimme hörbar werden.

Als konkrete nächste Schritte nannten die Delegierten die regelmäßige Einberufung von gesamteuropäischen Konsultationen zu Fragen der Theologie und der theologischen Ausbildung im Abstand von zwei bis drei Jahren, das Eingehen von Partnerschaften zwischen den verschiedenen Ausbildungseinrichtungen, unabhängig von den jeweiligen konfessionellen Bindungen, und schließlich als langfristiges Ziel die Schaffung einer Ökumenischen Konferenz Europäischer Theologischer Fakultäten, Hochschulen und Institute.

ISSN 2222-2464