20.09.2025

Die Unsterbliche

Michael Chalupka über eine KI-Chatbot-Ministerin

Wer programmiert Chatbots? Wer kontrolliert sie? Die Zunahme von Künstlicher Intelligenz wirft viele Fragen auf. (Foto: Depositphotos/agsandrew)

Michael Chalupka über eine KI-Chatbot-Ministerin

Albanien hat eine neue Ministerin für öffentliche Ausschreibungen. So hat es das Parlament auf Wunsch des Langzeitpremiers Edi Rama beschlossen, unter heftigem Protest der Opposition. Sie heißt Diella, „Sonnenschein“, und ist unsterblich. Sie ist auch nicht geboren. Alles Menschliche ist ihr fremd. Diella ist ein KI-Chatbot. Edi Rama vertraut künstlicher Intelligenz mehr als Menschen aus Fleisch und Blut.

Der Premierminister hat seine Gründe. Zum einen ist er ein Meister der Inszenierung und des Marketings, internationale Aufmerksamkeit ist ihm gewiss. Zum anderen möchte er der Europäischen Union beweisen, dass er alles gegen die grassierende Korruption im Lande tut. Sein Ziel ist es, Albanien in die EU zu führen.

Und doch bleibt ein schaler Geschmack. Viele Fragen bleiben offen. Wer programmiert „Diella“? Wer kontrolliert die „Ministerin“? Aber vor allem eine Frage ist entscheidend in einer Demokratie: Wie nimmt Diella ihre Ministerverantwortung wahr?

In der Bibel findet sich eine Erklärung, warum die Lebenszeit der Menschen begrenzt ist. Dort heißt es: „Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil er auch Fleisch ist.“ Der unsterbliche Geist soll an einen Körper gebunden werden, um auch zur Verantwortung gezogen werden zu können. Die albanische KI-Ministerin Diella ist körperlos. Ob eine solche Entscheidung auch verantwortungslos ist, wird die Zukunft zeigen.

ISSN 2222-2464

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