06.08.2022

Die Trockenheit

Gegen die Erderhitzung hilft die Änderung unseres Lebensstils, meint Michael Chalupka.

Es hilft nicht, Sündenböcke zu benennen. Um die Erderhitzung zu verringern, braucht es einen anderen Lebensstil. (Foto: pixabay/svklimki

Gegen die Erderhitzung hilft die Änderung unseres Lebensstils, meint Michael Chalupka.

Schon im Mittelalter gab es ausgeklügelte Systeme, die Städte mit Wasser zu versorgen. Zu besichtigen ist das heute noch in Freiburg im Breisgau. Ein System von kleinen Kanälen, Bächlein genannt, durchzieht die Altstadt. In den Reiseführern wird das System als besonders erfrischend an heißen Sommertagen gepriesen. Doch dem Besucher bieten sich nur staubtrockene Kanalschächte, über die man stolpern könnte, an. Die Bächle von Freiburg sind ausgetrocknet.

Das waren sie auch im Jahr 1540. Das Jahr 1540 ging als Jahr der großen Trockenheit in die Geschichte Europas ein. Elf Monate regnete es kaum. Es gab eine große Dürre, Hungersnöte, Waldbrände und brennende Städte. Weil man sich das Wetterphänomen nicht erklären konnte, wurden Schuldige gesucht. In der aufgeheizten Stimmung der religiösen Auseinandersetzungen der Reformation wurden fahrende Händler und Bettler zu Brandstiftern und Sündenböcken gemacht, und es wurde ihnen der Prozess gemacht. Auch die noch junge reformatorische Bewegung wurde hier schuldig.

Heute wird die Erderhitzung nicht nach elf Monaten ein abruptes Ende finden und der Spuk vorbei sein. Anders als die Menschen um 1540, kennen wir auch die Gründe, die dazu führen. Deswegen können wir auch wissen, dass es nichts hilft, Sündenböcke zu benennen und für etwas verantwortlich zu machen, das unser aller Lebensstil mitverursacht hat. Den können wir ändern.

ISSN 2222-2464

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Klimawandel | Chalupka

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