Die fröhliche Auferstehung

Gräber sind die kürzeste Erzählung eines Lebens. Foto: epd/Uschmann
Gräber sind die kürzeste Erzählung eines Lebens. Foto: epd/Uschmann

Grabsteine weisen auch in die Zukunft – Von Michael Chalupka

Morgen geht das Jahr zu Ende. Nächsten Sonntag, am 1. Adventsonntag, beginnt ein neues Kirchenjahr. Das liturgische Jahr der christlichen Kirchen folgt nicht dem Kalenderjahr, sondern beginnt mit dem Advent und endet morgen mit dem Ewigkeitssonntag. Das ist der Tag der Erinnerung an die Verstorbenen, an die, die uns vorausgegangen sind.

Gräber sind die kürzeste Erzählung eines Lebens. Zumindest geben sie Auskunft über Anfang und Ende, über Beruf und Rang im Leben und manchmal sogar über das, was das Leben ausgemacht, wie beim Organisten einer evangelischen Kirche in Wien, der ein Bild seines geliebten Instruments den Grabstein schmücken lässt.

Grabsteine weisen auch in die Zukunft. Ruhe in Frieden steht da, als ob man dem Verstorbenen weitere Aufregungen post mortem ersparen möchte, oder ein hoffnungsvolles „Auf Wiedersehen“.

Auf alten Grabsteinen aus dem 17. Jahrhundert kann man des Öfteren die Inschrift „Wir bitten um eine fröhliche Auferstehung“ lesen. Solche Inschriften waren die direkte Folge der Reformation. Nicht mehr die Angst vor dem Fegefeuer und der ewigen Höllenqual sollte den Tod bestimmen, sondern die Hoffnung und der Trost einer fröhlichen Auferstehung. Beim Totengedenken in diesen trüben Novembertagen kommt unweigerlich auch die eigene Endlichkeit in den Blick. Ich weiß zumindest, was auf meinem Grabstein stehen wird – das stimmt mich wieder heiterer.

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ISSN 2222-2464