Die Folgen des Bosnienkrieges für die Frauen

Das sozialmedizinische Zentrum Medica Zenica in Bosnien betreut Frauen, Kinder und Männer, die an den Folgen der Gewalt leiden

Wien (epd Ö) – Das Ende des Krieges in Bosnien bedeute nicht das Ende der Gewalt und des Leids der Frauen. Das betonte die Psychotherapeutin und Islamwissenschafterin Sabiha Haskic aus dem bosnischen Zenica in einem Vortrag zum Thema „Für das Recht, ohne Gewalt und Diskriminierung zu leben. Eine Frau aus Bosnien berichtet“ am 16. Oktober in der Evangelischen Akademie Wien.

Haskic, die das sozialmedizinische Zentrum Medica Zenica vorstellte, berichtete, viele Frauen in Bosnien könnten ihre Traumata nicht bewältigen. Auch Kinder, die nach Vergewaltigungen geboren wurden und jetzt im Teenageralter seien, beginnen sich mit ihrer Herkunft zu beschäftigen. Die Männer, die sich bisher selten mit ihren Kriegserlebnissen auseinandergesetzt hätten, agierten ihre Verunsicherungen und seelischen Verwundungen oft in Form von Aggressionen an ihren Frauen und Kindern aus.

Daher kommen, so Haskic, in dem sozialmedizinischen Zentrum zu den Angeboten für Frauen und Kinder, die ein Frauenhaus, eine Kindertagesstätte, ein Beratungszentrum sowie mobile therapeutische Behandlung und Berufsaus- und Weiterbildungskurse umfassen, nun vermehrt auch Einzel- und Gruppentherapien für Männer. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt sei die politische Arbeit. Das Zentrum trete für Gesetzesänderungen ein, damit Vergewaltigungsopfer als zivile Kriegsopfer und Vergewaltigung sowie Gewalt in der Ehe als strafbare Tatbestände anerkannt würden.

Gegründet wurde das sozialmedizinische Zentrum Medica Zenica vor 16 Jahren von der Preisträgerin des Alternativen Nobelpreises 2008, Dr. Monika Hauser.

ISSN 2222-2464