„Die Dunkelheit holt uns immer wieder ein“

Die Interreligiöse Gedenkstunde der Juden, Christen und Muslime in der Hofburg

Wien, 10. Oktober 2001 (epd Ö) „Wir zünden Kerzen an, wir beleuchten unsere Städte und Prachtbauten, wir setzen uns gerne selber ins rechte Licht, aber die Dunkelheit holt uns immer wieder ein.“ Das sagte Bischof Mag. Herwig Sturm bei der „Interreligiösen Gedenkstunde der Juden, Christen und Muslime für die Opfer der Terroranschläge und für den Frieden in der Welt“, am 8. Oktober im Großen Redoutensaal der Wiener Hofburg. Vor zahlreichen Vertretern der Ökumene, des Judentums und des Islams sowie vor Bundespräsident Dr. Thomas Klestil und zahlreichen Persönlichkeiten aus der Politik, erklärte der Bischof: „Gott hat das Dunkel dieser Welt mit uns geteilt. Er bleibt dieser Erde treu mit dem Wort des Lebens und dem Geist der Versöhnung.“ Prof. Mag. Erika Tuppy von der Evangelische Kirche H.B. betete „für alle, die von Rache und Vergeltung sprechen, als könne damit Unrecht aus der Welt geschafft werden.“ Gott solle ihnen den Weg zur Umkehr zeigen.

Präsident Schakfeh: „Die Vielfalt der Religionen ist gottgewollt.“

Dass eine Kultur der Toleranz der wirksamste Garant des Friedens sei, darauf verwies der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Prof. Anas Schakfeh. Die Vielfalt der Religionen und Kulturen sei gottgewollt. Zu wünschen sei, dass das gute Zusammenleben der Religionen, das sich in dieser Feierstunde zeige, auch in der übrigen Gesellschaft fortwirkt. Oberrabiner Paul Chaim Eisenberg von der Israelitischen Kultusgemeinde warnte davor, es zuzulassen, dass die Welt aufgeteilt wird in Menschen, die keinen Glauben haben und in solche, die der Welt ihren Glauben mit Gewalt aufzwingen wollen.

Zum Gebet für die Soldaten und ihre Familien, aber auch für unschuldige zivile Opfer der amerikanischen Angriffe auf Afghanistan rief Bundespräsident Klestil auf. „Die Menschen, die jetzt ihr Leben aufs Spiel setzen, kämpfen für uns alle“, sagte der Bundespräsident. Die großen Weltreligionen forderte er auf, einander nicht den Rücken zu kehren, sondern den Dialog zu suchen.

An der interreligiösen Gedenkstunde, die auf Einladung von Bundespräsident Klestil stattfand, wirkten auch Mitglieder der Wiener Philharmoniker mit. Kantor war der evangelische Landeskantor Mag. Matthias Krampe.

ISSN 2222-2464