Diakonie: Zerreißen von Familien darf nicht zum Alltag werden

Diakoniedirektor Michael Chalupka
Diakoniedirektor Michael Chalupka

Chalupka: Grundrecht auf Familienleben in Gefahr

Wien (epd Ö) – Scharfe Kritik an der Abschiebung von zwei achtjährigen Mädchen und ihrem Vater kommt von der Diakonie. „Es ist besorgniserregend, mit welcher übertriebenen Härte mittlerweile bei Abschiebungen vorgegangen wird“, erklärt Diakonie-Direktor Michael Chalupka in einer Aussendung. Am 6. Oktober wurde ein Vater mit zwei minderjährigen Töchtern von der Polizei festgenommen, um in den Kosovo abgeschoben zu werden. Die Mutter befand sich zu diesem Zeitpunkt wegen Suizidgefahr in stationärer Behandlung. Vertreter der Polizei beharren darauf, dass die Vorgehensweise rechtmäßig und unvermeidbar gewesen sei.

 

„Wenn es die Rechtslage erfordert, Familien auseinanderzureißen und Kinder frühmorgens mit gezücktem Sturmgewehr aus den Betten zu holen, um sie abschieben zu können, dann gehört diese Rechtsgrundlage geändert“, stellt Chalupka fest. Die Abgeordneten der Regierungsparteien, die einer solchen Gesetzeslage zugestimmt haben, „können ihre Hände nicht in Unschuld waschen“.

 

Das Auseinanderreißen von Familien und das Inhaftieren von Kindern untergrabe die Werte, auf denen unsere Gesellschaft aufgebaut sei. Chalupka: „Es geht nicht an, die allseits bemühten Werte ‚Familie‘ und ‚christliche Nächstenliebe‘ bei Sonntagsreden im Mund zu führen, sie aber selbst Menschen in existenzieller Not zu verweigern. Die vielzitierten ‚christlichen Werte des Abendlandes‘ müssen für alle gelten“, fordert der Diakonie-Direktor.

 

Nach wie vor sei es „schwer zu begreifen“, dass gut integrierte Familien, deren Kinder den größten Teil ihres Lebens in Österreich verbracht haben und Deutsch besser als ihre Muttersprache beherrschen, kein humanitäres Bleiberecht erhalten. „Es scheint sich bei der Bleiberechts-Zuerkennung eher um ein Lotteriespiel zu handeln“, so Chalupka in einer Aussendung.

ISSN 2222-2464