Diakonie startet inklusive AHS-Oberstufe in Salzburg

Diakonie-Direktor Michael Chalupka und Eva Kothbauer, Geschäftsführerin des Diakonievereins Salzburg präsentierten in Wien die erste inklusive Oberstufe, die mit dem Schuljahr 2012/2013 am Oberstufenrealgymnasium Grödig beginnt. (Foto: Diakonie)
Diakonie-Direktor Michael Chalupka und Eva Kothbauer, Geschäftsführerin des Diakonievereins Salzburg präsentierten in Wien die erste inklusive Oberstufe, die mit dem Schuljahr 2012/2013 am Oberstufenrealgymnasium Grödig beginnt. (Foto: Diakonie)

Chalupka fordert inklusive Bildung für alle SchülerInnen

Wien (epdÖ) – Mit einem neuen Schulversuch startet die Diakonie in Salzburg ins kommende Schuljahr: Ab September gibt es in Österreich erstmals ein Gymnasium mit einer inklusiven Oberstufe. „Es gibt keinen Grund, warum eine Schule nicht inklusiv sein kann. Integration geht nicht auf Kosten des Schulerfolgs von begabten Kindern, alle Schülerinnen und Schüler profitieren vom gemeinsamen Unterricht“, erklärten Diakonie-Direktor Michael Chalupka und Eva Kothbauer, Geschäftsführerin des Diakonievereins Salzburg, bei einer Pressekonferenz am 30. August in Wien.

Das inklusive Oberstufenrealgymnasium der Diakonie in Grödig (Salzburg) habe vor allem das Ziel, mittels eines musisch-kreativen Schwerpunktes die jungen Menschen in ihrer Entwicklung zu kreativen und kulturell bewussten Menschen heranzubilden. Vorerst wird mit einer Klasse gestartet, in der 20 Kinder ohne Behinderung gemeinsam mit vier Kindern mit Behinderung von jeweils zwei PädagogInnen unterrichtet werden, erzählt Kothbauer. Im Zentrum des Lernprozesses an der Schule, die mit der Montessori-Pädagogik arbeitet, stehe das eigenverantwortliche und selbständige Lernen. So können sich Jugendliche entsprechend ihrer Interessen und Begabungen weiter entwickeln und all jene Kompetenzen erwerben, die ihnen später den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen.

Die Matura zu machen sei vordergründig nicht das Ziel, betont Kothbauer. „Es geht vielmehr um das Recht auf Bildung.“ Noch sei es so, dass SchülerInnen mit Behinderung nur neun Jahre in die Schule gehen könnten, sagt Chalupka. Ein weiterer Schulbesuch mit anderen Kindern ohne Behinderung sei nicht vorgesehen. „Dadurch fehlen SchülerInnen mit Behinderungen aber wichtige Jahre der Lebens- und Bildungserfahrung, die anderen Jugendlichen ganz selbstverständlich zugestanden werden“, so der Diakonie-Direktor.

Dass die integrative Beschulung in Österreich nur kurze Zeit möglich sei und die Tatsache, dass die Unterschiede zwischen den Bundesländern bezüglich des Anteils von behinderten Kindern und Jugendlichen in Österreich groß wären, beunruhigt die Diakonie. Noch immer sei der Geburtsort in Österreich entscheidend bei der Schullaufbahn. Von daher fordert die Diakonie das Recht auf inklusive Bildung für Schülerinnen und Schüler in allen Schulen auch nach dem neunten Pflichtschuljahr sowie den flächendeckenden Ausbau von inklusiven Schulen beziehungsweise den Umbau von bestehenden Schulen. „Es ist normal, dass es Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gibt. Deswegen ist eine Schule ohne Kinder mit Behinderung abnormal“, zeigt sich Chalupka überzeugt.

Chalupka: Anteil an Zivildienern bei Diakonie gering

Auf die angekündigte Volksbefragung über die Abschaffung der Wehrpflicht und die möglichen Folgen für den Zivildienst reagiert Diakonie-Direktor Chalupka gelassen. Die Entscheidung für oder gegen die Wehrpflicht sei eine politische. Für die Diakonie seien Zivildiener zwar sehr wertvoll, es dürfe das Sozialsystem jedoch nicht von ihnen abhängig seien. Bei der Diakonie seien viele Zivildiener im Bereich des Rettungsdienstes tätig, aber gerade in der Altenpflege oder Behindertenarbeit sei der Anteil gering, da die anfallenden Tätigkeiten nur von hoch professionellen Personal durchgeführt würden, berichtet Chalupka. Der Bundesregierung empfiehlt er, ein Konzept für einen freiwilligen sozialen Dienst zu erarbeiten. Mit dem freiwilligen diakonischen Jahr mache seine Organisation seit rund 50 Jahren sehr gute Erfahrungen.

ISSN 2222-2464