Diakonie: Spenden steuerlich absetzen

Fehlende Übernachtungsmöglichkeiten für Flüchtlinge – Jahresbilanz

Wien, 7. April 2004 (epd Ö) So wie in fast allen EU-Ländern sollen auch in Österreich Spenden steuerlich absetzbar sein. Diese Forderung bekräftigte Diakonie-Direktor Mag. Michael Chaulpka bei einem Pressegespräch am Donnerstag, 1. April, in Wien. Anlass war die Präsentation des Jahresberichts 2003 des Evangelischen Flüchtlingsdienstes.

Angesichts der Tatsache, dass 2003 ein allgemeiner Spendenrückgang in Österreich zu verzeichnen war, könnte so ein neuer Anreiz für Spender geschaffen werden, sagte Chalupka. Einen der Gründe für den Spendenrückgang ortete der Diakoniedirektor in der Verunsicherung der Menschen durch die Pensionsdebatte: „Die Leute glauben, zuerst einmal für ihr Alter sparen zu müssen.“ Spenden seien „sehr konjunkturabhängig“ und stellten „keine kontinuierlichen Geldeinnahmequellen“ dar. Chalupka appellierte an die Bundesregierung, sich „ihrer Verantwortung“ zu besinnen und 0,7% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für die Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen. Derzeit würden sich die staatlichen Zuwendungen für diesen Bereich auf 0,28% des BIP belaufen, so Chalupka.

Der Geschäftsführer des Evangelischen Flüchtlingsdienstes, MMag. Michael Bubik, berichtete, dass in die Beratungsstellen des Flüchtlingsdienstes in Wien und Niederösterreich v.a. Menschen aus den ehemaligen GUS-Staaten (43%), aus Afghanistan (13%) und Afrika (14%) kämen – neben Menschen aus dem Nahen Osten, dem Iran, Serbien/Kosovo und sonstigen Ländern. Da Übernachtungsmöglichkeiten nicht ausreichend zur Verfügung stehen würden, sei an manchen Stellen „ein geordneter Beratungsdienst nicht mehr möglich, weil die Leute die Beratungsstelle nicht mehr verlassen wollen.“ Immer wieder käme es dazu, dass Flüchtlinge die Nächte ohne Unterkunft verbringen müssten. „Ein Skandal“, so Bubik. Es fehle „der politisch Verantwortliche, der sagt, dass das nicht in Frage kommt.“ Dabei bemerkte Bubik auch, dass das Bewusstsein für diese Problematik in der Bevölkerung noch nicht genug vorhanden sei. Die inzwischen schnelle Durchführung von Asylverfahren bewertete Bubik äußerst positiv. Gleichzeitig stehe man allerdings vor dem Problem, dass die Integrationsbemühungen nur auf 1.000 Asylanten im Jahr ausgelegt seien, obwohl im Moment mehr Asylanträge anerkannt würden. Bubik fordert „schnellere Integrationsbemühungen, so dass auch mehr gestaltete und betreute Wohnquartiere zur Verfügung gestellt werden, denn ohne Meldezettel keine Sozialhilfe.“

ISSN 2222-2464