Diakonie legt 10-Punkte-Plan für „Zukunft des Älterwerdens“ vor

In ihrem 10-Punkte-Plan fordert die Diakonie, Alter und Pflege neu zu denken. Foto: epd/Uschmann
In ihrem 10-Punkte-Plan fordert die Diakonie, Alter und Pflege neu zu denken. Foto: epd/Uschmann

Pflege vorrangig behandeln – Selbständigkeit als Maß

Wien (epdÖ) – „Der demographische Wandel und seine Folgen für das Zusammenleben der Generationen und für Pflege und Betreuung älterer Menschen müssen im Wahlkampf breit diskutiert werden. Einzelmaßnahmen wie die begrüßenswerte Abschaffung des Pflegeregresses sind zu wenig.“ Das sagte Diakonie-Direktor Michael Chalupka am Donnerstag, dem 14. September, anlässlich der Präsentation eines 10-Punkte-Plans für die „Zukunft des Älterwerdens“. Anlässlich des bevorstehenden Intensivwahlkampfes will die Diakonie Österreich mit ihren Forderungen auf die prekäre Situation Pflegebedürftiger, Pflegender und Angehöriger hinweisen.

Betont wird in dem Programm zunächst vor allem ein positiver Umgang mit dem Altern selbst. Unter dem Titel „Vom Anti-Aging zum Pro-Aging“ hält die Diakonie fest: „Altern gehört zur Entwicklung des Menschen, ist Teil unseres Alltags und wird bejaht – bis zum Lebensende.“ Eine Neubestimmung benötige auch das Konzept der Pflegebedürftigkeit selbst. Dieses solle sich nicht länger negativ an körperlichen Einschränkungen und Defiziten orientieren, sondern müsse „Selbstständigkeit als Maß der Pflegebedürftigkeit in den Blick nehmen.“ Dazu sollen auch „psychosoziale, kognitive und kommunikative Dimensionen und Aspekte der sozialen Teilhabe und Gestaltung des Alltagslebens“ berücksichtigt werden.

In Hinblick auf die Situation der Pflegepersonen fordert der 10-Punkte-Plan den Ausbau von Angeboten zur Aus-, Fort- und Weiterbildung. Ebenso müsse auf niederschwellige Beratungs- und Informationsangebote Wert gelegt werden. Die Kritik der Diakonie richtet sich auch an unzureichende Bezahlung für Pflegende: Nur durch angemessene Entlohnung und adäquate Personalschlüssel könne qualitative Pflege und Betreuung gewährleistet werden. Entlastung sollen zudem Angehörige finden. Ihre Initiative trage oft maßgeblich zur Lebensqualität der Pflegebedürftigen bei, das jedoch würde für sie selbst regelmäßig zur Herausforderung. So heißt es in dem Papier weiter: „Pflegende Angehörige müssen intensiv und vielfältig entlastet, sowie neue sozialräumliche Formen der Unterstützung durch das soziale Umfeld etabliert werden.“

Notwendig zur Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen sei jedoch auch „ein Umbau des Pflegesystems und seiner Finanzierung. Neben Geldleistungen braucht es Investitionen in ein breiteres und größeres Dienstleistungsangebot, um die Pflegelücke tatsächlich zu schließen.“ Gerade in finanzieller Hinsicht müsse jedoch ein Umdenken stattfinden. Pflege dürfe nicht als belastend, sondern müsse auch wirtschaftlich als produktiv wahrgenommen werden. So fließen 70% der Ausgaben in der Pflege als Steuern und Sozialversicherung an die öffentliche Hand zurück.

Den vollständigen Text des Forderungspakets finden Sie hier.

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ISSN 2222-2464