Diakonie: Inklusive Bildungsstrategie vom Kindergarten bis zur Uni

"Wir beobachten schon länger Rückschritte in Sachen gemeinsamer Bildung von Kindern mit und ohne Behinderung“, sagt Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Foto: Diakonie
"Wir beobachten schon länger Rückschritte in Sachen gemeinsamer Bildung von Kindern mit und ohne Behinderung“, sagt Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Foto: Diakonie

Rechnungshofbericht sei „Weckruf“ für Bundesregierung

Wien (epdÖ) – Als „Weckruf“ hat die Direktorin der evangelischen Diakonie, Maria Katharina Moser, den aktuellen Rechnungshof-Bericht über inklusiven Unterricht bezeichnet. „Ich hoffe, die Bundesregierung folgt der Aufforderung des Rechnungshofes und macht sich umgehend daran, eine inklusive Bildungsstrategie vom Kindergarten über die Schulen und bis hin zu Fachhochschulen und Universitäten zu entwickeln.“ Die Diakonie, so Moser in einer Aussendung vom Sonntag, 3. Februar, vermisse eine solche seit Jahren: „Mehr noch, wir beobachten schon länger Rückschritte in Sachen gemeinsamer Bildung von Kindern mit und ohne Behinderung.“

Der Rechnungshof hatte in seinem am Freitag, 1. Februar, veröffentlichen Bericht „Inklusiver Unterricht: Was leistet Österreichs Schulsystem?“ kritisiert, dass sich das Bildungsministerium in seiner Richtlinie zur Entwicklung Inklusiver Modellregionen (2015) auf die allgemein bildenden Pflichtschulen beschränkt und dass im Regierungsprogramm (2017) die Sonderschulen weiterhin erhalten und sogar gestärkt werden. Kritik gab es auch an den unklaren Regelungen zur Finanzierung und an den großen Geschlechterunterschieden im österreichischen Bildungssystem.

30.000 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf

Aktuell seien zwei Drittel der rund 30.000 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ins Regelsystem integriert, so die Diakonie. Besonderen Handlungsbedarf sieht Moser im Bereich der Oberstufe: „Vor acht Jahren hat die Diakonie am Montessori Oberstufenrealgymnasium Salzburg mit der Führung inklusiver Klassen begonnen. Das ist nach wie vor die einzige Möglichkeit in ganz Österreich für Kinder mit Behinderung, über die 9. Schulstufe hinaus die AHS zu besuchen. Für sie gilt ein eigener Lehrplan, der auf ihre Fähigkeiten zugeschnitten ist.“

Gerade Kinder mit Entwicklungsverzögerungen oder Lernschwächen bräuchten länger, um Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben zu erlernen. Wenn sie nach dem 16. Lebensjahr die Schule nicht weiter besuchen könnten, würden bereits erworbene Fähigkeiten und Wissen mit der Zeit sinken, zeigte sich Moser besorgt.

Inklusive Oberstufe nur als Schulversuch

Zudem werde Österreichs einzige inklusive Oberstufe als Schulversuch geführt. „Es ist völlig unklar, ob es diese Möglichkeit weiter geben wird, wenn in wenigen Jahren Schulversuche in Österreich generell abgeschafft werden. Die inklusive Oberstufe muss so rasch wie möglich ins Regelschulsystem übernommen und die dafür nötigen Ressourcen müssen zur Verfügung gestellt werden.“ Raschen Handlungsbedarf sieht die Direktorin der Diakonie Österreich auch bei der Nachmittagsbetreuung von Kindern mit Behinderung und beim verpflichtenden Kindergartenjahr.

Österreich hatte 2008 die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet. In der Aussendung hebt Moser die Bedeutung der Inklusion als „Eckpfeiler der Konvention“ hervor.

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ISSN 2222-2464