Diakonie fordert Reformen im Pflegebereich

Daniela Palk (Diakoniewerk Gallneukirchen), Diakonie-Direktor Michael Chalupka (Wien) und Peter Grünwald (Diakonie de La Tour in Kärnten) forden einen "Aktivierungsschub für die Politik im EU-Jahr des 'Aktiven Alterns'". (Foto: Diakonie Österreich)
Daniela Palk (Diakoniewerk Gallneukirchen), Diakonie-Direktor Michael Chalupka (Wien) und Peter Grünwald (Diakonie de La Tour in Kärnten) forden einen "Aktivierungsschub für die Politik im EU-Jahr des 'Aktiven Alterns'". (Foto: Diakonie Österreich)

Chalupka: vermögensbezogene Steuer für Pflegefonds vorstellbar

Wien (epdÖ) – Eine Änderung der Rahmenbedingungen sowie besser verfügbare Dienstleistungen im Bereich der Pflege älterer Menschen forderte der Direktor der Diakonie Österreich, Michael Chalupka, am Montag, 26. März, bei einer Pressekonferenz in Wien.

In dem von der Europäischen Union für 2012 ausgerufenen Jahr des „Aktiven Alterns“ verlangt die Diakonie Verbesserungen des Pflegesystems in Österreich. Dies erfordere aber nicht nur die Bereitstellung finanzieller Mittel, sondern auch umfangreiche Reformen im ganzen Sektor. Die Regierung habe im Rahmen des Stabilitätsprogramms die finanziellen Mittel für den Pflegefonds bis 2016 verlängert. „Das ist einerseits zwar gut, andererseits bedeutet es aber, dass die derzeitigen Strukturen einzementiert werden. Der Druck für die notwendigen Reformen seitens der Bundesländer ist dadurch erheblich geringer geworden. Und das, obwohl die Pflegelücke geschlossen werden muss, um gute und leistbare Pflege für alle zu ermöglichen“, kritisiert Chalupka.

Im Verband mit anderen Hilfsorganisationen habe die Diakonie deshalb ein umfangreiches Konzept für eine Pflegereform erarbeitet, so der Direktor der Diakonie. „Erstens müssen die Rahmenbedingungen anders gestaltet werden. Zweitens müssen wir dafür sorgen, dass Dienstleistungen besser verfügbar sind.“ Noch immer seien die Angebote von Bundesland zu Bundesland verschieden, für viele pflegebedürftige Menschen seien viele Dienste nicht vorhanden oder schlichtweg nicht finanzbar. Dies habe zur Folge, dass die überwiegende Mehrheit der Pflegebedürftigen derzeit ausschließlich von Angehörigen, zumeist Frauen, betreut werde.

Um die Lücke in der Pflege zu schließen sei es essentiell, unterschiedliche Dienstleistungen auszubauen, etwa betreutes Wohnen, Kurzzeitpflege oder Tageszentren. Viele ältere Menschen würden in ein Seniorenheim übersiedeln, obwohl eine Betreuung in einem Tageszentrum angemessener und ausreichend wäre. „So ein Tageszentrum kann ökonomisch auch günstiger sein, als ein Platz in einem Pflegeheim“, erklärt Chalupka, der sich auch eine vermögensbezogene Steuer, zweckgebunden zur Finanzierung des Pflegefonds, vorstellen kann.

„Es darf nicht sein, dass pflegebedürftige Menschen nur zwischen stationärer Pflege auf der einen Seite und Betreuung durch Angehörige auf der anderen Seite wählen können“, betonte Daniela Palk, Leiterin des Kompetenzmanagement Altenhilfe im Diakoniewerk Gallneukirchen. Es gehe vor allem um die Notwendigkeit, für Menschen im Alter durch alltagstaugliche Betreuungsmodelle ihre Selbstbestimmung zu erhalten.

Durch Beratung und Workshops ermögliche die Diakonie in Kärnten älteren Menschen, sich freiwillig in Einrichtungen der Diakonie de La Tour zu engagieren, sagte Peter Grünwald, Leiter des Fachbereiches Altenhilfe in der Diakonie de La Tour. „Es geht darum, Kompetenzen, die man sich während des Lebens angeeignet hat, auch im späteren Lebensabschnitt sinnvoll einsetzen zu können.“

ISSN 2222-2464