Diakonie fordert bundesweites Jugendhilfegesetz

Andrea Boxhofer, Sandra Schwarzenbacher und Diakonie-Direktor Michael Chalupka fordern bei der Präsentation der "Hoffnungsträger"-Plakatkampagne in Wien: "Niemand darf verloren gehen". (Foto: Diakonie)
Andrea Boxhofer, Sandra Schwarzenbacher und Diakonie-Direktor Michael Chalupka fordern bei der Präsentation der "Hoffnungsträger"-Plakatkampagne in Wien: "Niemand darf verloren gehen". (Foto: Diakonie)

Chalupka: Investitionen in Kinder zahlen sich für alle aus

Wien (epdÖ) – Ein bundesweites Jugendhilfegesetz und Gewährleistung der Jugendhilfeleistungen bis zum 21. Lebensjahr, einen Ausbau der so genannten Frühen Hilfe sowie die Wahrnehmung des volkswirtschaftlichen Potentials von sozialen Hilfen und Dienstleistungen forderte die Diakonie bei einer Pressekonferenz am 20. November in Wien. Die Diakonie startet mit ihrer Plakatkampagne „Hoffnungsträger“, um mit Nachdruck auf Jugendarbeitslosigkeit, Schulabbruch und gefährdete Zukunftschancen hinzuweisen.

138.000 Kinder und Jugendliche seien von manifester Armut betroffen, 30.000 Kinder und Jugendliche auf Unterstützung durch die Jugendhilfe angewiesen, mehr als 8000 Jugendliche zwischen 18 und 24 Jahren hätten keinen Schulabschluss, berichtete Diakonie-Direktor Michael Chalupka. Angesichts der Zahlen sei es höchst problematisch, dass der Staat Österreich seine Fürsorge Kindern gegenüber mit 18 Jahren einstellt und einzelne Bundesländer daran denken, Sonderhilfen für Jugendliche bis 21 Jahre zu kürzen. „Das ist unklug: für die Entwicklung der Jugendlichen und auch für uns alle. Weil das unnötige Kosten für die jungen Leute und vermeidbare Kosten für die Gesellschaft bringt“, so Chalupka.

Besonders wichtig sei die Unterstützung der Kinder vor dem Schuleintritt, ist Chalupka überzeugt. Benachteiligte Kinder würden Unterstützung von Anfang an brauchen, vor allem die Förderung der Mutter-Kind-Beziehung sei wichtig, da es sonst zu Entwicklungsstörungen bei den Kindern kommen könne. Hier sei es notwendig, etwa frühe Bindungsförderung rund um die Geburt sowie in den Baby- und Kleinkindjahren zu ermöglichen und in die Elementarpädagogik sowie ein zweites Vorschuljahr zu investieren, appellierte der Diakonie-Direktor. „Investitionen im frühkindlichen Bereich haben den höchsten ‚Return on Investment‘, zahlen sich also am meisten aus. In den USA entspricht ein investierter Dollar einer Rendite von acht Dollar, bei benachteiligten Kindern sogar 16 Dollar“, so Chalupka.

Letztlich brauche Österreich aber auch gute Konzepte, um wirtschaftlich schlechte Zeiten zu überbrücken. Es habe sich gezeigt, dass es im Bereich der sozialen Dienstleistungen bereits in den vergangenen Jahren zu einem Wirtschaftswachstum gekommen sei. „Investitionen im sozialen Dienstleistungsbereich sind ein Gebot der Stunde“, sagte Chalupka.

Bei der Pressekonferenz wurden auch zwei Modellprojekte aus dem Bereich Kinder- und Jugendhilfe vorgestellt. Im Pilotprojekt MUM-Talk werden im Diakonie Zentrum Spattstraße in Linz so genannte „Hochrisiko-Familien“ betreut. Das sind Familien, in denen sich psychosoziale Belastungsfaktoren häufen. „Sie leben in beengten Wohnverhältnissen, in Armut, haben psychische Probleme, oder die Eltern der Kinder leiden an psychischen Erkrankungen. Oftmals sind es auch Elternteile, die selbst schon durch die Jugendwohlfahrt betreut wurden“, erklärte Andrea Boxhofer, Geschäftsführerin des Diakonie Zentrum Spattstraße.

Die „Inklusive FIT-Schule“ der Diakonie ist die erste berufsbildende mittlere Schule mit sonderpädagogischem Schwerpunkt in Österreich. Dort können Jugendliche und junge Erwachsene nach Pflichtschulabschluss bis 25 Jahre, die aus den verschiedensten Gründen aus dem regulären Schul- bzw. Ausbildungssystem gefallen und daher von Ausgrenzung gefährdet sind, in vier Schuljahren eine gute Lernumgebung, Unterstützung und Sicherheit erfahren. „Wir können uns – sogar was die Dauer des Schulbesuchs bei uns betrifft – individuell auf die Bedürfnisse unserer Schüler und Schülerinnen einstellen und haben dadurch Zeit, uns die Lernschwierigkeiten und Entwicklungsbeeinträchtigungen genau anzuschauen“, betonte Sandra Schwarzenbacher, Lehrerin an der FIT-Schule.

ISSN 2222-2464