Diakonie fordert bundesweite Pflegestandards

Chalupka: Kontrolle ist zu wenig, es mangelt an verbindlichen Qualitätsstandards

Wien, 5. September 2003 (epd Ö) „Die Aufarbeitung der Missstände, die durch den Kontrollbericht der MA 47 im Geriatriezentrum am Wienerwald in Lainz aufgezeigt wurden, darf nicht bei der Ahndung der persönlichen Verfehlungen stehen bleiben. Es braucht dringend bundesweite gemeinsame Qualitätsstandards für die Pflege“, fordert Mag. Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich.

Das größte Problem sieht Chalupka in der österreichweit höchst unterschiedlichen Regelung der stationären Altenpflege hinsichtlich Qualität und Finanzierung in den einzelnen Bundesländern. Die Schere zwischen Qualitätswunsch und finanzieller Wirklichkeit klaffe stark auseinander.

„Auf dem Pflegepersonal lastet ein enormer Arbeitsdruck, was die Attraktivität dieser wichtigen Berufe nicht gerade erhöht. Das Recht eines jeden von uns, auch im Alter sein Leben weitestgehend selbst gestalten zu können, fängt an bei der Gestaltung des Wohnraums, des Alltagablaufs, der Körperpflege, bis hin zur Mitbestimmung bei den Bezugspersonen und Pflegenotwendigkeiten“, führt Chalupka weiter aus. Die Regelung der Qualitätsstandards liegt bei den Bundesländern und garantiert nicht überall diese Rechte. „Bei der Unterbringung in 6-Bett Zimmern kann auch bei bester Pflege vom Recht auf Selbstbestimmung und Intimsphäre nicht gesprochen werden“, meint Chalupka.

Notwendig seien architektonische wie pflegerische Mindeststandards sowie ein ausreichendes und gut qualifiziertes Personal. Die Diakonie fordert die Bundesländer auf, mit den Trägern der freien Wohlfahrtseinrichtungen gemeinsame Richtlinien für Pflegestandards zu erarbeiten. Dass dies möglich sei, hätten die Wohlfahrtseinrichtungen schon bei der Erarbeitung von lebbaren Standards bei der mobilen Altenpflege bewiesen.

ISSN 2222-2464