Diakonie Eine Welt präsentiert Nachhaltigkeitsbericht 2017

Der Nachhaltigkeitsbericht gibt einen Überblick über die Arbeit der einzelnen Teilbereiche der Diakonie Eine Welt. Foto: epd/Michael Windisch
Der Nachhaltigkeitsbericht gibt einen Überblick über die Arbeit der einzelnen Teilbereiche der Diakonie Eine Welt. Foto: epd/Michael Windisch

Aktuelle Zahlen und Best Practice Beispiele aus den Arbeitsbereichen

Wien (epdÖ) – „Wir wollen Menschen dabei begleiten, in ihren Begabungen zu wachsen und diese Begabungen auch einsetzen zu können.“ Mit diesen Worten verdeutlichte Michael Bubik, Rektor der Diakonie Eine Welt, das Anliegen der Hilfsorganisation mit Blick auf ihre nachhaltige Entwicklung in sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht. Bei der Präsentation des Nachhaltigkeitsberichts 2017 am Dienstag, 26. Juni, in Wien hob Bubik das „Reformobil“ als besonderes Beispiel der Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit im Jahr des Reformationsjubiläums hervor. Über 280 Kinder aus den Einrichtungen der Diakonie Bildung hätten an der Zeitmaschine mitgearbeitet, die am 30. September beim Fest am Rathausplatz präsentiert worden war. Leitend seien dabei die Fragen gewesen: „Wie wird die Welt in 500 Jahren aussehen? Was brauchen wir dafür?“ Bubik wies jedoch auch auf bedenkliche Einschränkungen in der Möglichkeit mancher Menschen hin, die eigenen Begabungen nachhaltig einzubringen: „Flüchtlinge zum Beispiel können ihre Begabungen derzeit überhaupt nicht einsetzen. Diesen Fehler machen wir heute und werden ihn über Jahre ausbaden müssen. Wir müssen uns auch nach besseren Rahmenbedingungen fragen, damit Menschen ihre Begabungen entfalten können.“

Kurze Berichte aus den einzelnen Arbeitsbereichen der Diakonie Eine Welt vertieften den Einblick in die Maßnahmen zur Nachhaltigkeit. So skizzierte Teresa Mayr von der Diakonie Katastrophenhilfe mit Cash-Transfer-Programmen eine aktuell verstärkt eingesetzte Form der Bereitstellung von Hilfsmitteln in Krisengebieten. Dabei kommen entweder Bargeld oder zweckgebundene Gutscheine – auch in elektronischer Form – zum Einsatz. „Es gibt hier meistens bestimmte Modalitäten und Voraussetzungen, an die die Ausgabe gebunden ist, z.B. um Material zum Brunnenbau oder um Heizmaterial zu kaufen.“ Die Cash-Transfer-Programme hätten den Vorteil, „dass sie sehr schnell zur Verfügung gestellt werden können und auch stärker die Würde der Menschen berücksichtigen. Auch werden im Sinne der Nachhaltigkeit Transportwege und Kosten für Verteilaktionen verringert und der lokale Markt gestärkt.“

In einem Grußwort verwies der Wiener Superintendent Hansjörg Lein auf den Titel des Nachhaltigkeitsberichts „Wege zur Nachhaltigkeit“: „Das ist ein schönes Motto, denn bei diesem Thema sind wir alle erst auf dem Weg. Es geht um die ‚eine Welt‘, von der wir als gläubige Menschen überzeugt sind, dass sie geschaffen, kein Zufallsprodukt ist.“ Lein konstatierte auch einen – notwendigen – theologischen Paradigmenwechsel im Umgang mit der Umwelt, weg von einem starken Anthropozentrismus, wie er noch im biblischen Schöpfungsbericht zum Ausdruck komme: „Der Auftrag ‚Macht euch die Erde untertan‘ ist sehr problematisch.“

"Wir wollen Menschen dabei begleiten, in ihren Begabungen zu wachsen und diese Begabungen auch einsetzen zu können.“ Michael Bubik, Rektor der Diakonie Eine Welt. Foto: epd/Michael Windisch
„Wir wollen Menschen dabei begleiten, in ihren Begabungen zu wachsen und diese Begabungen auch einsetzen zu können.“ Michael Bubik, Rektor der Diakonie Eine Welt. Foto: epd/Michael Windisch

Der Nachhaltigkeitsbericht im Detail

Auf Grund des starken Wachstums des Unternehmens – insbesondere im Bereich Flüchtlingsdienst –  mussten die Vorgaben der ökologischen Nachhaltigkeitsstrategie im Planungszeitraum 2015 bis 2017 durch Kompensationszahlungen erreicht werden. Die 2014 entwickelte Nachhaltigkeitsstrategie der Diakonie Eine Welt sieht vor, bis 2050 klimaneutral zu arbeiten.

Flüchtlingsdienst: Neue Schwerpunkte – Mehr KlientInnen

Der Diakonie Flüchtlingsdienst war 2017 mit einer Verschiebung seiner Aufgaben konfrontiert, erklärte Andreas Gampert, Leiter des Fachbereichs Integration: Die Zahl der Asylsuchenden sank im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte, weshalb weniger Menschen in der Grundversorgung betreut werden mussten. Verstärkt worden seien dafür die Anstrengungen im Bereich Rechtsberatung sowie in der Betreuung von Menschen mit psychischen oder physischen Beeinträchtigungen. In Wien konnte die erste Beratungsstelle ausschließlich für Frauen eröffnet werden. Insgesamt betreute der Flüchtlingsdienst mit rund 59.000 Personen um gut 20 Prozent mehr als im Jahr davor. In der seit 2016 bestehenden Diakonie Eine Welt Akademie nahmen laut deren Leiterin Silvia Unterberger im vergangenen Jahr 1526 Personen an Bildungsveranstaltungen teil, starke Nachfrage gab es vor allem bei Fortbildungen im Bereich „Flucht, Migration und Interkulturelles“.

Zahl der Freiwilligen geht leicht zurück

Insgesamt arbeiteten 2017 innerhalb der Diakonie Eine Welt 1415 hauptamtliche und über 800 freiwillige MitarbeiterInnen sowie 54 Zivildiener an 82 Standorten. Fast verdreifacht hat sich dabei in den letzten drei Jahren in Folge der Flüchtlingskrise die Zahl der hauptamtlichen MitarbeiterInnen im Diakonie Flüchtlingsdienst, wo zuletzt 730 Personen arbeiteten – davon zwei Drittel Frauen. In der Diakonie Bildung waren neun von zehn MitarbeiterInnen Frauen. Bei den Freiwilligenzahlen im Flüchtlingsdienst ist nach dem starken Anstieg im Zuge der Flüchtlingsbewegungen 2017 ein Rückgang von 939 im Jahr 2016 auf 791 zu verzeichnen gewesen.

Die Diakonie Eine Welt führt den Diakonie Flüchtlingsdienst, die Diakonie Bildung, die Diakonie Katastrophenhilfe sowie Brot für die Welt und die Diakonie Eine Welt Akademie. Gesellschafter sind zu je 50 Prozent das Evangelische Werk für Diakonie und Bildung sowie das Evangelische Schulwerk A.B. Wien.

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ISSN 2222-2464