Diakonenamt in der Kirche neu etablieren

Ein Studientag des Instituts für Kirchenrecht analysiert Bedingungen der Einrichtung eines Diakonats in der Evangelischen Kirche

Wien, 15. Mai 2002 (epd Ö) „Es ist im ökumenischen Gleichklang, das Diakonenamt in der evangelischen Kirche neu zu etablieren. Es geht dabei um die Zukunft der Gemeinde.“ Diese Auffassung vertrat der lutherische Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker bei einem Studientag zum Thema „Diakon(in) in der Kirche – ein Problemfeld?“ am 14. Mai im Wilhelm-Dantine-Haus in Wien.

Bei dem Studientag, der vom Institut für Kirchenrecht und Evangelische Kirchenordnung der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien in Zusammenarbeit mit dem Sozialpädagogischen Ausschuss der Generalsynode veranstaltet wurde, nannte Bünker drei „wesentliche Qualifikationen“, die die Gemeinde der Zukunft bei ihren MitarbeiterInnen benötige: die „theologisch-hermeneutische Qualifikation“ des Umgangs mit historischen Texten, die theologisch-pädagogische Qualifikation der Vermittlung von Glauben und Leben, insbesondere in der Gemeindepädagogik, sowie die theologisch-sozialpädagogische Qualifikation in der Begegnung mit den Herausforderungen der modernen Gesellschaft. Für diese Bereiche, so Bünker, brauche es hauptamtliche MitarbeiterInnen. Ungeklärt sei allerdings, in welchem Verhältnis diese zum traditionellen Pfarramt stehen sollten. Der Oberkirchenrat schlug in diesem Zusammenhang regionale „Gemeindeämter“ im Sinn der in Deutschland bereits praktizierten „Kirche in der Region“ vor. In derartigen Strukturen könnten die verschiedenen Funktionen und ihre TrägerInnen gemeinsam effizient tätig sein.

Hohe Ansprüche an Professionalität

„Qualifikation im Diakonat wird am besten durch ökumenische und internationale Zusammenarbeit erreicht“, sagte der Rektor der Diakonie Waiern, Pfarrer Mag. Arno Preis, in seinem Referat. „Einrichtungsdiakonie“ und „Gemeindiakonie“ stellten gleichermaßen hohe Ansprüche an die Professionalität der MitarbeiterInnen. Erwartet würden Kenntnisse im theologischen, ethischen und sozialen Bereich. „In der Einrichtungsdiakonie brauchen wir Diakone, die prägungswillig und bereit sind, prägend zu wirken“, sagte der Rektor, „sie sollen agieren und nicht reagieren. Sie sollen auch die Fähigkeit haben, zu sich selbst auf Distanz zu gehen und die Gesamtkonzeption evangelischer Diakonie wahrzunehmen“.

Für die Gemeindediakonie forderte Preis Fachkompetenz anstelle von Improvisation. Es sei Aufgabe der Kirche, durch Bildungsarbeit das weithin feststellbare Kompetenzdefizit auszugleichen. Die „Gemeindeleitung“ müsse Planung, Organisationsstruktur und Führungskonzepte anbieten. Diakonie in der Gemeinde habe keinen Beliebigkeitscharakter, sondern sei ein verbindlicher Dienst. Preis trat auch für eine spezielle Ordination zum Diakonat ein, wie es auch eine Ordination der PfarrerInnen zur öffentlichen Wortverkündigung gebe.

Reingrabner: Die Kirche muss wollen

Dass es bei der Etablierung eines Diakonenamtes in der Evangelischen Kirche in Österreich vor allem um die Willensbildung in der Kirche gehe, darauf verwies der Leiter des Instituts für Kirchenrecht, Univ.-Prof. Dr. Gustav Reingrabner. Die Zentrierung der Strukturen allein auf das Pfarramt und die Pfarrgemeinde habe in der Evangelischen Kirche Österreichs eine lange Tradition, die jede Entwicklung des Diakonats behindert habe. „Die Kirche muss sich entscheiden, ob sie ein diakonisches Amt will oder nicht“, sagte Reingrabner, „und wenn ja, wie will sie dieses Amt: im Sinn einer hierarchischen Abfolge zwischen Pfarramt und Diakonat oder eines partnerschaftlichen Nebeneinanders?“ Reingrabner machte auch auf Schwierigkeiten bei der Ausbildungsmöglichkeit und der Finanzierung für ein solches Amt aufmerksam. „Es muss gesehen werden, in welche großen Zusammenhänge das Diakonenamt

hineingehört“, sagte der ehemalige Superintendent.

Methodistenkirche: Diakone gleichberechtigt mit Pfarren

In der Methodistenkirche habe das Diakonenamt gleiche Rechte wie das Pfarramt, jedoch verschiedene Aufgaben, berichtete Pastor Wilfried Nausner, Graz. Nach methodistischem Verständnis suche sich das Diakonenamt „seine Aufgaben selbst dort, wo Kirche in der Welt wirksam ist, sei es im kirchlichen Dienst oder in anderen Bereichen“. Nausner erklärte, in die Ausbildung der Diakone wie auch in die universitäre Ausbildung der Pastoren müsse „prozesstheologisches Denken“ einfließen, damit die Prozesse der modernen Welt erkannt und begleitet werden können.

ISSN 2222-2464