Desmond Tutu: „Man vergibt für sich selbst und seine Gesundheit“

Wien (epd Ö) – „Ich hoffe, ihr werdet Träumende von Gottes Welt! Und ihr nutzt euer Diplom, um an einer besseren Welt zu arbeiten“, begrüßte Desmond Tutu Studierende Evangelischer und Katholischer Theologie und Stipendiaten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am Samstagvormittag, 13. Juni, in der Alten Universitätskirche in Wien. In seiner saloppen afrikanischen Art stellte sich der Friedensnobelpreisträger und Alterzbischof aus Südafrika den Fragen der zukünftigen Akademikerinnen und Akademiker. „Vergeben bedeutet nicht, jemandem einen Gefallen zu tun. Das tut man für sich selbst und seine Gesundheit“, sagte Tutu auf die Frage hin, wie er die Opfer der Apartheid heute lehre, zu vergeben. „In der afrikanischen Tradition heißt es: Ich kann nur ich selbst sein, wenn du du bist“, erklärte Tutu weiter. Das funktioniere nur, wenn Harmonie herrsche. Daher seien Rache oder Ärger fehl am Platz. Sie erhöhten nur den Blutdruck, so der Südafrikaner schmunzelnd. Freilich seien manche Menschen noch nicht bereit zu vergeben. „Ich kann das nicht für sie tun, und sie können auch nicht dazu gezwungen werden“, betonte der Alterzbischof.

Auf die Frage, woher er trotz seines Alters all die Energie nehme, mit so viel Enthusiasmus über Frieden und Versöhnung zu predigen, antwortete Tutu: „Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich sehr viel Unterstützung bekomme.“ Er werde getragen von den vielen, die für ihn beten, von der Zeit der Stille und dem Bewusstsein, dass er zu den wundervollen Menschen gehöre, die Gott erschaffen habe, so der Friedensnobelpreisträger.

Anlässlich der Verleihung des Ehrendoktorats der Evangelischen Theologie durch die Universität Wien war Tutu von Freitag, 12. Juni, bis Samstag, 13. Juni, nach Wien gekommen. Am Samstagabend stand zu seinen Ehren ein Benefizkonzert für Tutus HIV-Foundation in der lutherischen Stadtkirche auf dem Programm, bei dem auch der aus Südafrika stammende Startenor Johan Botha auftrat.

ISSN 2222-2464