Debatte um den Generationenvertrag

Bünker: Demographische Entwicklung nicht mit Wertediskussion beantworten – Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor allem für Frauen erleichtern

Wien, 3. September 2003 (epd Ö) In der laufenden Debatte um den Generationenvertrag hat der evangelische Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker davor gewarnt, demographische Entwicklungen mit Wertediskussionen zu beantworten. Moralisierende Antworten und Vorwürfe seien fehl am Platz, schreibt das Mitglied der evangelischen Kirchenleitung in seiner aktuellen „Furche“-Kolumne. Gefragt seien vielmehr „vernünftige politische und ökonomische Strategien. Schon Martin Luther war der Meinung, Politik und Ökonomie seien Angelegenheiten der Vernunft.“

Bünker plädiert dafür, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor allem für Frauen zu vergrößern. Hier gebe es gerade in Österreich vor allem hinsichtlich der Kinderbetreuungsplätze noch viel zu tun. Mütter und Arbeitslose dürften nicht weiterhin vom Erwerbsleben ferngehalten werden, fordert der Oberkirchenrat. Auf den Rückgang der Geburten könne, so Bünker, am besten durch eine geplante und gestaltete Zuwanderung reagiert werden.

In der bisherigen Diskussion seien die Falschen angesprochen worden: Seit Jahren zeige die empirische Jugendsoziologie, dass den Jugendlichen durchaus nicht Fun, Event und Party heilig seien, sondern ganz konservative Werte wie Freundschaft und Familie.

Tatsache sei, dass es in Zukunft mehr Pensionisten und weniger Kinder geben werde. Gegenseitige Vorwürfe und eine durch Moralisieren versauerte Wertediskussion förderten den Sozialneid noch mehr. Bünker: „Den Kirchen ist aufgetragen, dafür einzutreten, dass der Sozialstaat gerecht bleibt.“

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ISSN 2222-2464