Debatte über neue PR-Kampagne in der Steiermark

Podiumsdiskussion zum Auftakt der Kampagne "So! kann Kirche" in der Steiermark. Foto: P. Stajan
Podiumsdiskussion zum Auftakt der Kampagne "So! kann Kirche" in der Steiermark. Foto: P. Stajan

Miklas: „Das Evangelium ist eine Werbebotschaft“

Graz (epdÖ) – „Kirche und Werbung – eine spannende Beziehung“ war das Thema einer Podiumsdiskussion zum Auftakt der PR-Kampagne der Evangelischen Kirche in der Steiermark in Graz am 27. Mai. Hintergrund der kontroversiell geführten Debatte war der Start der Werbekampagne „So! kann Kirche“, mit der die evangelische Diözese Steiermark auf sich aufmerksam machen und neue Zielgruppen ansprechen will.

Die Kirche müsse sich aus ihrem verengten Milieu herausbewegen, erklärte der evangelische Superintendent der Steiermark Hermann Miklas. „Auch das Evangelium ist eine Werbebotschaft“. Es sei wichtig, wieder nach draußen zu gehen, zwar in ökumenischer Verbundenheit, jedoch mit einem eigenen und klar definierten Profil.
„Kann die Evangelische Kirche halten, was sie in der Kampagne verspricht?“, fragte Georg Plank, der für die Öffentlichkeitsarbeit der römisch-katholischen Diözese Graz-Seckau zu-ständig ist. Kirchen müssten aufpassen, sie dürften sich nicht zu sehr von anderen Medien abhängig machen. „News“-Journalist David Pesendörfer kritisierte an der aktuellen Debatte die aus seiner Sicht zu verkopften Themen. „Die Kernaussagen sind nicht gleich zu erschließen, der Betrachter wird überfordert.“ Pesendörfer vertrat die Ansicht, dass Kirchen ihre Testimonials stärker einsetzen müssten, wie etwa den Fußballer David Alaba. Er zog einen Vergleich mit Wechselwählern und meinte, in der Ausführung seien Kirchen zu umständlich und langwierig. Die Kampagne selbst sei sehr kreativ, aber er bezweifelt, dass neue Gruppen damit angesprochen werden können, weil diese Werbung zu negativ sei.
Claudia Brandstätter vom „Ersten Steirischen Trendbüro“ ist der Ansicht, die Kirchen müssten jene, die auf der Suche sind, dort abholen, wo sie sind, also zeitgemäß kommunizieren. Zudem sollten Kirchen ganz genau definieren, was Menschen, die sich vertrauensvoll an sie wenden, erwarten können. Menschen wollen sich engagieren, ihre Kompetenzen einbringen. Jene, die in den Kirchen Verantwortung tragen, müssen Aktivitäten setzen. „Was passiert mit jenen, die mit der Kampagne erreicht wurden?“ Es sei auch wichtig, sich dafür genügend Zeit zu nehmen, rät Brandstätter.

ORF-Journalistin Andrea Kager-Schwar betonte, dass Werbung bedeute, Aufmerksamkeit auf eine Sache zu lenken. Früher sei das in den Kirchen verpönt gewesen, heute habe man ein anderes Verhältnis dazu, man sehe die Notwendigkeit. „Wie schafft Kirche Bindung? Durch emotionale Erlebnisse in der Kindheit oder Jugend?“, fragte Kager-Schwar. In der Werbung werde auch mit Emotionen gearbeitet, das spiele sich auf der gleichen Ebene ab. Grundsätzlich sei es gut, wenn Kirche im Gespräch ist, diese Kampagne sei eine Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. Den Abend moderierte Jörg-Martin Willnauer.

ISSN 2222-2464