David Bowies „Lazarus” am Wiener Volkstheater

In der Figur des Lazarus fand David Bowie ein alter ego. Foto: lupispuma.com/Volkstheater
In der Figur des Lazarus fand David Bowie ein alter ego. Foto: lupispuma.com/Volkstheater

Österreichische Erstaufführung unter Regie von Miloš Lolić

Wien (epdÖ) – New York: Ein Loft in der 2nd Avenue in Manhattan. Am Boden zwischen Gin und „Lucky Charms“ ringt Thomas Jerome Newton mit seiner Einsamkeit. Er sieht fern und vermeidet den Kontakt zur Außenwelt. Nur seine Assistentin ist gelegentlich bei ihm und muss hilflos seinem tragischen Ringen mit verlorener Herkunft, Liebe und Hoffnung zusehen: Ein in einer fremden Welt Gestrandeter, der noch einmal aufbrechen will. Mit einer Rakete zum Himmel. Kann es gelingen von der Dunkelheit zum Licht zu gelangen? Er ist bereit dazu: “Look up here, I`m in heaven“.

Mut bewies das Volkstheater Wien am Mittwoch, 9. Mai, in der österreichischen Erstaufführung des Musicals „Lazarus“ von David Bowie und Enda Walsh. Der fortgeschriebene dramatische Stoff des einsamen heimatlosen Wanderers im Film „The Man Who Fell to Earth“ (1972), in dem der Ausnahmekünstler David Bowie (1947-2016) die Hauptrolle spielte, ist eine große Herausforderung an Inszenierung, Darstellung, Musik und Bühnenbild. Das Stück war 2015 in New York uraufgeführt worden.

Der Regie von Miloš Lolić gelingt es jedoch, einen tragenden Handlungsstrang zu finden, der über ein musikalisches Requiem hinausgeht und Stationen eines Musikerlebens genauso wie existentielle Fragestellungen inszeniert, verbindet und reflektiert. Es sind Fragen des Leidens, Sterbens und der Hoffnung über den Tod hinaus, die mit der titelgebenden Figur des auferweckten Lazarus umrissen sind. In Lazarus findet Bowie sein letztes Alter Ego nach Ziggy Stardust oder Aladdin Sane. Der irische Regisseur Enda Walsh, der mit Bowie das Stück schrieb und dabei lange Gespräche mit dem schwer kranken Musiker in seinen letzten Lebensjahren führte, erinnert sich: „Wir sprachen über einen sterbenden Menschen und die Augenblicke vor seinem Tod, was in seinem Kopf vorgehen könnte und wie man so etwas auf der Bühne inszenieren könnte…“ Die Musik, Erinnerungen und Fragen der Hoffnung in aller Ruhelosigkeit des Lebens und Sterbens abseits von Erfolg und Bühne werden dann auch zu tragenden Angelpunkten des Stückes.

Die zweistündige Neuinszenierung dieser existentiellen Zeit- und Lebensreise mit den großen Hits und eindringlichen Songs Bowies („Heroes“, „Love is lost“, „Changes“, „Absolute Beginners“ und andere), getragen von einem ausdrucksstarken Bühnenbild, lässt das Publikum mit wiederholtem Applaus während und am Ende der Vorstellung danken.

Volkstheater Wien, Österreichische Erstaufführung „Lazarus“

Musical von David Bowie und Enda Walsh nach dem Roman The Man Who Fell To Earth von Walter Tevis


Regie Miloš Lolić

Deutsch von Peter Torberg

Die nächsten Spieltermine :  Freitag 18. Mai 19.30, Samstag 19. Mai 18.00, Sonntag 20. Mai 19.30, Donnerstag 24. Mai 19.30

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ISSN 2222-2464