Das gebrochene Versprechen

Wenn Versprechen im Handumdrehen gebrochen werden, sollten alle hellhörig werden, meint Michael Chalupka. Foto: pixabay
Wenn Versprechen im Handumdrehen gebrochen werden, sollten alle hellhörig werden, meint Michael Chalupka. Foto: pixabay

Von Gott und der Welt: Michael Chalupka über den Umgang mit Minderheiten

Die Evangelischen sind eine Minderheit in Österreich. Sie sind nur etwas mehr als die Stadt Graz Einwohner hat. Die Evangelischen wissen, dass sie nicht wichtig sind – und doch schmerzt es, wenn man seine Bedeutungslosigkeit so demonstrativ zu spüren bekommt, wie das die Bundesregierung mit der Zerstückelung des Karfreitags gerade vorexerziert.

Die Protestanten hatten eine wechselvolle Geschichte der Verfolgung und Duldung hinter sich, als ihnen in den 1950er Jahren der Karfreitag als Feiertag zugestanden wurde – als Ausgleich für die Beschneidung ihrer Religionsfreiheit in der Geschichte. Seit damals fühlten sich die Evangelischen nicht mehr als Minderheit, zumindest nicht als eine, über die einfach drübergefahren wird. Denn das fühlt sich nicht gut an.

Das sollte auch Nicht-Protestanten interessieren. Demokratie lebt nicht nur von Mehrheiten, die sich auf fünf Jahre zusammenraufen, sondern auch davon, dass sie Minderheiten schützt und ihre Bedürfnisse achtet. Denn niemand lebt nur in der Mehrheit. In manchem gehören wir zur Mehrheit, in anderem zur Minderheit. Dass Mehrheiten und Minderheiten wechseln, macht Demokratie aus. Wenn Minderheiten versprochen wird, dass ihnen nichts weggenommen wird, und dieses Versprechen im Handumdrehen gebrochen wird, dann sollten alle hellhörig werden, denen ein demokratischer Umgang miteinander ein Anliegen ist.

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ISSN 2222-2464