„Das Evangelium will in der Welt gehört werden“

Hilfe ist Christusbegegnung. Michael Chalupka bei seinem ersten Gottesdienst als Bischof in Windischgarsten. Foto: epd/Uschmann
Hilfe ist Christusbegegnung. Michael Chalupka bei seinem ersten Gottesdienst als Bischof in Windischgarsten. Foto: epd/Uschmann

Michael Chalupka feierte ersten Gottesdienst als Bischof in Windischgarsten

Windischgarsten (epdÖ) – Seinen ersten Arbeitstag als Bischof hat Michael Chalupka am Sonntag, 1. September, mit einem Gottesdienst begonnen: „Ich freue mich, heute bei euch in Windischgarsten in Oberösterreich zu sein und ganz zu Beginn meines Bischofsamtes mit euch das Evangelium zu hören und Brot und Wein zu teilen“, so Chalupka in seiner Predigt, die sogleich auf den Punkt kommt: „Eine von vielen Gemeinden hier in Oberösterreich, aber auch in ganz Österreich, die nicht nachgelassen hat im Zeugnis des Evangeliums seit dem Jahr 2015, auch wenn sich die Stimmungen verändert haben und den HelferInnen ein scharfer Gegenwind entgegenschlägt.“ Chalupka bezog sich dabei auf die Hilfe, die in vielen Gemeinden Menschen auf der Flucht entgegengebracht wurde: „Diese Unterstützung und Aufnahme kann man als Hilfe, als Solidarität oder diakonischen Dienst beschreiben, das alles ist richtig. Doch es ist mehr. Es ist Christusbegegnung. Christusbegegnung und Verkündigung des Evangeliums und Christuszeugnis, das in tätiger Nächstenliebe, aber auch im Wort – sei es im täglichen Gespräch oder bei einer Anhörung durch Behörden und Gerichte – geschehen ist und geschieht.“ Das entspreche dem Auftrag des Evangeliums, das „in der Welt gehört werden will“. Bei aller Unvollkommenheit der Kirche, um die die Menschen wissen – „wir sorgen uns um die Finanzsituation, stellen Strukturen in Frage, ärgern uns über manche Entscheidung, die getroffen wird“ – sei die Kirche immer auch „Teil der Welt Christi. Kirche, das sind die Menschen, die zu Gottes Volk berufen sind durch die Taufe.“ Diese „wirkliche Kirche“ gelte es immer wieder zu entdecken.

Chalupka zum Amt des Bischofs

Das Amt des Bischofs verglich der neue Amtsinhaber mit dem einer Hausfrau oder eines Hausmannes: „Er oder sie schaut darauf, dass es allen gut geht, sich alle wohlfühlen, und wo es kriselt,, findet er oder sie ein gutes Wort. Dort wo geweint wird, tröstet er oder sie. Er oder sie schafft Ordnung, indem er oder sie dafür sorgt, dass alle Dinge an ihrem Platz sind – und das dient dem Zusammenleben.“ So sei es ein „schönes Bild für das Amt der Kirche: Ordnung, das heißt nicht oben und unten, Überordnung und Unterordnung, sondern dafür sorgen, dass Zusammenleben ordentlich funktioniert.“

Rund um den Gottesdienst gab es einen Empfang der Marktgemeinde Windischgarsten, bei dem Bürgermeister Norbert Vögerl dem neuen Bischof „Weisheit, Gottes Segen und eine gutes Händchen für das Bischofsamt“ wünschte. Musikalisch begleitet wurde der Empfang von einer Abordnung des Musikvereins Windischgarsten unter Leitung von Eduard Waag. Den Abendmahlsgottesdienst feierte Bischof Michael Chalupka gemeinsam mit Diakon Hubert Lösch. Im Gottesdienst musizierte das Musikteam der Gemeinde unter der Leitung von Heidi Lösch.

Bei der anschließenden Präsentation der Gemeinde, die Kurator Reinhard Füßl leitete, kam die jahrzehntelange Geschichte der Gemeinde in den Fokus. Die „Diakonie in der Gemeinde – DIG“ präsentierte Werkstattleiter Ralf Ziegenberg. Unter dem Namen „DIG“ führt das in der Nachbarschaft zu Windischgarsten gelegene Schloss Klaus eine diakonische Arbeit für Menschen mit Beeinträchtigungen in der Region durch. Über die „Logos Lebensgemeinschaft“ – eine therapeutisch-integrative Wohngemeinschaft für psychiatrische Vor- und Nachsorge – referierte Andrea Weiß.

Ganz bewusst hat der neue lutherische Bischof Michael Chalupka seinen Dienst in einer der vielen Gemeinden begonnen, die in der missionarisch-diakonischen Arbeit einen Schwerpunkt setzt. Sein zweiter exemplarischer Gemeindebesuch führt ihn am kommenden Sonntag in das niederösterreichische Hainburg, eine Pfarrgemeinde, die sich intensiv um das Thema Nachhaltigkeit bemüht.

Brief an Gemeindeverantwortliche

Auf die exemplarischen Gemeindebesuche geht der neue Bischof auch in einem Brief ein, der am Montag allen PfarrerInnen, KuratorInnen und PresbyterInnen übermittelt wurde. „Das Christuszeugnis und die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat stehen für mich im Zentrum“, schreibt Chalupka dort. Denn Kirche seien „– vor allen Strukturen, Finanzproblemen und Rechtsordnungen – die von Gott zu seinem Volk berufenen Menschen, Männer und Frauen, Alte und Kinder, hierzulande und andernorts Geborene“. Durch die Taufe seien sie „alle gleich und alle berufen, das Evangelium zu verkünden“. Als Bischof wolle sich Chalupka auch für gute Rahmenbedingungen einsetzen, „damit Pfarrer und Pfarrerinnen wiederum die Möglichkeit haben, andere leuchten zu lassen und dem Priestertum aller Gläubigen zu seinem Recht zu verhelfen“. Den „Schatz der Ehrenamtlichen“ möchte er „pflegen und stärken“.

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ISSN 2222-2464