Dantine: Bettelverbot ist keine Lösung des Problems

Reichtum verlangt Verantwortung, zeigt sich Superintendent Olivier Dantine überzeugt (Foto: M.Uschmann/epdÖ)
Reichtum verlangt Verantwortung, zeigt sich Superintendent Olivier Dantine überzeugt (Foto: M.Uschmann/epdÖ)

Superintendent übt Kritik am beschlossenen Bettelverbot für Stadt Salzburg

Salzburg (epdÖ) – Der Salzburger Stadtsenat hat am 18. Mai ein sektorales und temporäres Bettelverbot beschlossen, das schon bald in Kraft treten wird. Kritik daran kommt unter anderem vom evangelischen Superintendenten der Diözese Salzburg-Tirol, Olivier Dantine.

„Bei dem von der Stadt Salzburg verhängten sektoralen Bettelverbot muss jedem klar sein, dass durch eine solche Maßnahme das Problem einer von Passanten empfundenen Belästigung durch das Betteln nicht gelöst, sondern nur verlagert wird“, heißt es in einer ersten Stellungnahme des Superintendenten. „Die Auswahl der Bettelverbotszonen zeigt zudem, dass es nicht um das Lösen eines Problems geht, sondern darum, Touristen und Menschen beim Einkaufsbummel den Anblick der Armut zu ersparen. Der Wunsch, die Illusion einer heilen Welt zu bewahren, wird zum Maßstab für den Umgang mit Menschen in bitterster Armut.“

Dantine selber erlebe bettelnde Menschen in der Stadt Salzburg nicht als Belästigung. Vielmehr würden sie der wohlhabenden Stadt Salzburg zeigen, dass mit Reichtum auch Verantwortung einhergehe für jene Menschen, denen es nicht so gut gehe. Positiv bewertet der Superintendent die Initiative engagierter Menschen, die mit den Notreisenden ins Gespräch kommen, um bei ihnen Verständnis für die Empfindungen von Passanten zu fördern.

Dass die Stadt Notschlafstellen und Sozialarbeit für Notreisende finanziert, begrüßt der Superintendent. Dantine: „In der Frage des Bettelns wünsche ich mir aber Antworten mit Augenmaß und einen würdigen Umgang mit bettelnden Menschen.“

Kritik am Bettelverbot übte nicht nur Superintendent Dantine, sondern etwa auch die Plattform für Menschenrechte.

ISSN 2222-2464