Colin Williams: „Wir müssen unserem Kontinent Hoffnung geben“

In Wien bereiteten sich die protestantischen Kirchen auf die Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) vor

Wien (epd Ö) – Wie die Kirchen ihre Zusammenarbeit auf europäischer Ebene gestalten können und welche Prioritäten und zentralen Punkte diese Zusammenarbeit haben wird, das sind nach den Worten des evangelisch-lutherischen Bischofs Michael Bünker die Fragen, die von der im Juli in Lyon stattfindenden Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) diskutiert werden sollen. In seiner Eröffnungsandacht anlässlich einer Vorbereitungskonferenz zur Vollversammlung verwies Bünker am 20. April in Wien vor den VertreterInnen der europäischen protestantischen Kirchen und der Altkatholischen Kirche der Schweiz auf die zunehmende Säkularisierung in Europa, die für die Kirchen eine Herausforderung darstelle. Bünker erinnerte auch an die Geschichte des Tagungsortes Albert Schweitzer Haus, in dem zahlreiche für die Evangelische Kirche in Österreich maßgebliche Entscheidungen gefallen seien wie die Unterzeichnung der Leuenberger Konkordie und der Beschluss zur Gleichstellung der Frauen im Pfarramt.

Dass es angesichts der Wirtschaftskrise wichtig sei, „dass die Kirchen in Europa eine gemeinsame Stimme finden“, unterstrich auch der Generalsekretär der KEK, Colin Williams, in seinem Bericht. Entscheidend für die Vollversammlung in Lyon seien die Fragen: „Wie kann die KEK die Kirchen unterstützen, ihre eigenen Wege zu gehen und zugleich zu einer ökumenischen Gemeinschaft zu finden? Und wie können wir in einem multikulturellen und multireligiösen Europa Zeugnis ablegen?“ Williams, der sich auf den Geist von Pfingsten berief, forderte ein verstärktes Zusammengehen der Kirchen der KEK und äußerte Zuversicht im Blick auf den „gemeinsamen Weg“. „Wir müssen unserem Kontinent Hoffnung geben“, sagte der Generalsekretär.

Protestantische Profilierung gegen „orthodox-römisch-katholische Repräsentanzökumene“

In der stark von Strukturdebatten bestimmten Tagung forderte der Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) Pfarrer Thomas Wipf eine „erneuerte Vision“ und stellte die Frage: „Auf welche inhaltlichen Prioritäten soll sich die KEK konzentrieren, und welche neue Form der Organisation und der Entscheidungswege ist nötig, um aus der KEK eine für ihre Ziele wirksame Organisation zu machen?“

Kritisch sprach Wipf von seinem Eindruck, „dass protestantische Kirchen zwar die KEK stark mittragen, ihre Anliegen aber aus diplomatischen Gründen eher in den Hintergrund rückten“. Das zeige sich „vor allem auch an den Anlässen, wo die orthodox-römisch-katholische Repräsentanzökumene die Protestanten zu Randfiguren macht“.

Von der Notwendigkeit, „dass das protestantische Profil der Mitgliedskirchen aus der reformatorischen Tradition in Zukunft klarer hervortritt“, spricht auch ein Papier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das von EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte vorgestellt wurde. Damit werde, so die Stellungnahme, zugleich deutlich, dass die Arbeit der GEKE „der Arbeit der KEK nicht etwa entgegenläuft, sondern sie im Sinn der protestantischen Profilierung ergänzt und qualifiziert“.

Die KEK versteht sich als Forum und ökumenisches Instrument

Die Fragen zu den Themen der Vollversammlung in Lyon und der Arbeit in der Zukunft wurden in der vom 20. bis 21. April dauernden Konferenz in einer Arbeitsgruppe erörtert. Eine weitere Arbeitsgruppe befasste sich mit Strukturfragen innerhalb der Organisation der KEK, aber auch im Blick auf die Ökumene in Europa. Abschließend wurde eine gemeinsame Vision für den künftigen Weg als christliche Kirchen in Europa unter den VertreterInnen der teilnehmenden Kirchen diskutiert.

In einem Schlusskommuniqué vom 21. April hielten die KirchenvertreterInnen fest, dass Migration, Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung in Europa und der Welt der zentrale Punkt des gemeinsamen Zeugnisses blieben. Geäußert wird auch die Überzeugung, dass die KEK ein Forum für gegenseitiges Lernen und Ökumenebildung, für den Brückenbau und ein verstärktes Miteinander zwischen den Kirchen darstelle. Ebenso sei die KEK ein ökumenisches Instrument der Zusammenarbeit mit den europäischen Institutionen und eine Plattform für den Dialog mit anderen christlichen Kirchen und religiösen Gemeinschaften.

ISSN 2222-2464