Christliche und muslimische Frauen gegen Gewalt an Frauen

Barbara Heyse-Schaefer, Direktorin der Evangelischen Frauenarbeit Österreich, ist eine der Unterzeichnerinnen des Aufrufs. (Foto: epd/M. Uschmann)
Barbara Heyse-Schaefer, Direktorin der Evangelischen Frauenarbeit Österreich, ist eine der Unterzeichnerinnen des Aufrufs. (Foto: epd/M. Uschmann)

„Jeder Mensch muss Auftrag des Friedenstiftens übernehmen“

Wien (epdÖ) – Angesichts der zunehmenden Gewalt gegen Frauen weltweit melden sich nun christliche und muslimische Frauen in einem gemeinsamen Aufruf zu Wort. „Es ist höchste Zeit, das Augenmerk der Weltöffentlichkeit auf die Leiden der Frauen in den derzeitigen Konfliktregionen in Syrien, im Irak und in vielen afrikanischen Ländern zu richten“, heißt es in dem Schreiben vom 7. Oktober, das von Barbara Heyse-Schaefer (Evangelische Frauenarbeit Österreich und Europäisches Projekt für interreligiöses Lernen), Traude Novy (Katholische Frauenbewegung Erzdiözese Wien), Zeynep Elibol (Plattform Muslime und Christen, Leiterin der Islamischen Fachschule für soziale Bildung der IGGiÖ) und Sabine Kandel (Forum muslimische Frauen Österreichs) unterzeichnet wurde.

„Die derzeitige Explosion von Gewalt kommt für uns unvermittelt und macht uns tief betroffen. IS und andere Terrororganisationen instrumentalisieren die Religion und tragen zur Verstärkung von Islamophobie bei. Muslime geraten in Generalverdacht. Und genau das ist es, was die Terrororganisationen vereint. Sie möchten auch in Europa Hass und Unfrieden schüren“, so der Wortlaut. Kritisiert wird etwa die mediale Berichterstattung, die zwischen gläubigen Muslimen und muslimischen Fanatikern nicht unterscheide. „Sie muss stärker differenzieren, denn Muslime können nicht pauschal als Extremisten abgestempelt werden. Diese Terrororganisationen töten Muslime und Nicht-Muslime – alle, die ihrer Ideologie widersprechen.“

Die Ursache für die Gewaltexzesse sehen die Unterzeichnerinnen unter anderem in der Perspektivlosigkeit vieler junger Männer, die dann in verbrecherischen Organisationen wie „Islamischer Staat“ (IS) ihr Heil suchten. Das Problem des Auseinandergehens der Schere zwischen Arm und Reich müsse deshalb auch dringend angegangen werden. Hier müsse auch vor Ort mehr geschehen. „Diesen Gewaltexzessen kann nur der Boden entzogen werden, wenn wir hier bei uns anders mit Menschen umgehen, die bei uns Lebenschancen suchen, und wenn wir bereit sind zu teilen.“ Gleichzeitig fordern die muslimischen und christlichen Frauen einen humaneren und menschenwürdigeren Umgang mit Flüchtlingen in Österreich. Es sei darüber hinaus dringend notwendig, in Österreich Aufklärungsarbeit zu leisten, um die Bevölkerung für die Probleme der Flüchtlinge zu sensibilisieren und Ängste abzubauen.

„Jeder Mensch muss den Auftrag des Friedenstiftens übernehmen. Jetzt ist die Zeit, gemeinsam gegen Extremismus und Terror ein Zeichen zu setzen“, so das Resümee des Aufrufs. Die Unterzeichnerinnen unterstützen auch den zivilgesellschaftlichen „Aufruf zur Besonnenheit“, der im Internet unter: www.mehrbesonnenheit.at nachzulesen ist.

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ISSN 2222-2464