Christliche Kirchen warnen vor Antisemitismus

"Als christliche Kirchen wollen wir wachsam sein gegenüber jeglicher Form von Politik, die auf Abwertung oder Ausgrenzung von Minderheiten setzt. Insbesondere müssen wir hellhörig sein im Hinblick auf jede Form von Antisemitismus, dem wir entgegentreten möchten", so Diözesanbischof Manfred Scheuer beim Gottesdienst zum "Tag des Judentums" in Wien. (Foto: Martin Siegrist)
"Als christliche Kirchen wollen wir wachsam sein gegenüber jeglicher Form von Politik, die auf Abwertung oder Ausgrenzung von Minderheiten setzt. Insbesondere müssen wir hellhörig sein im Hinblick auf jede Form von Antisemitismus, dem wir entgegentreten möchten", so Diözesanbischof Manfred Scheuer beim Gottesdienst zum "Tag des Judentums" in Wien. (Foto: Martin Siegrist)

Ökumenischer Rat feierte Gottesdienst zum „Tag des Judentums“

Wien (epdö) – Vor jeder Form von Antisemitismus haben die christlichen Kirchen aus Anlass des „Tags des Judentums“ gewarnt. Christen seien aufgefordert, „gegen Antisemitismus jeglicher Form aufzustehen“, sagte der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer bei einem Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) am gestrigen Freitag, 17. Januar, in Wien. „Als christliche Kirchen wollen wir wachsam sein gegenüber jeglicher Form von Politik, die auf Abwertung oder Ausgrenzung von Minderheiten setzt. Insbesondere müssen wir hellhörig sein im Hinblick auf jede Form von Antisemitismus, dem wir entgegentreten möchten“, so Scheuer, der zugleich stellvertretender ÖRKÖ-Vorsitzender ist, wörtlich.

Es dürfe nicht noch einmal geschehen, dass Christen bei Antisemitismus und dessen gewaltsamen Folgen wegschauen, warnte Scheuer unter Verweis auf die Geschichte und Entwicklung des Nationalsozialismus. Dagegen müsse heute umso mehr betont werden, wie viel das Christentum dem Judentum zu verdanken habe. Daher könne das Judentum auch als „großer Bruder“ des Christentums angesehen werden. Juden und Christen stünden heute in einer „tiefen Verbundenheit“ zueinander.

Betont wurde diese Verbundenheit auch von Bischof Michael Bünker, der auf theologische Gemeinsamkeiten etwa im Blick auf das christliche Zentralgebet, das „Vater unser“, verwies. Dies könne nach Art und Inhalt durchaus auch als ein jüdisches Gebet betrachtet werden, so Bünker.

Gefeiert wurde der ÖRKÖ-Gottesdienst in der evangelisch-methodistischen Kirche in Wien-Fünfhaus. Neben Bischof Scheuer und Bischof Bünker nahm u.a. der Pastor der methodistischen Gemeinde Fünfhaus Stefan Schröckenfuchs, der Bischof der altkatholischen Kirche John Okoro sowie der Superintendent der evangelisch-methodistischen Kirche und derzeitiger ÖRKÖ-Vorsitzende Lothar Pöll an dem Gottesdienst teil.

ÖRKÖ-Vorsitzender Pöll erinnerte bei dem Gottesdienst daran, dass Wien vor der Schoah maßgeblich durch das jüdische Leben mitgeprägt wurde. Man müsse daher dafür beten, dass die jüdische Gemeinde in Wien in Zukunft wieder zu dieser Stärke finde.

Der 17. Jänner wird von den Kirchen Österreichs – aber auch u.a. Italiens, Polens und der Schweiz – als „Tag des Judentums“ begangen. Vorträge und Gottesdienste gab es dazu in Innsbruck, Salzburg, Linz, St. Pölten, Graz und Wien.

ISSN 2222-2464