Christen-Kongress endet mit Appell zum Miteinander

Zum "Miteinander für Europa"-Kongress hatten sich von 30. Juni bis zum 2. Juli tausende katholische, evangelische, anglikanische und orthodoxe Christen ebenso wie Mitglieder von Freikirchen und neuen Gemeinden aus 32 Ländern im München versammelt.
Zum „Miteinander für Europa“-Kongress hatten sich von 30. Juni bis zum 2. Juli tausende katholische, evangelische, anglikanische und orthodoxe Christen ebenso wie Mitglieder von Freikirchen und neuen Gemeinden aus 32 Ländern im München versammelt.

Altbischof Sturm: „War beeindruckt von der hohen Qualität der Auseinandersetzung“

München-Wien (epdÖ) – Nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx und des bayerischen evangelischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm gehören Gebet und Handeln zusammen. Ein radikales Bekenntnis zu Christus bedeute auch radikalen Einsatz für die Schwachen, sagte Bedford-Strohm am 2. Juli vor 5000 Teilnehmern der Abschlusskundgebung des vom ökumenischen Netzwerk „Miteinander für Europa“ veranstalteten Kongresses „Begegnung.Versöhnung.Zukunft“ in München. Dabei verwies er unter anderem auf das Engagement beider Kirchen in der Flüchtlingsarbeit. Marx stimmte zu und erinnerte daran, dass Gott nicht exklusiv, sondern für alle da sei. Deshalb gelte es, gemeinsam Christus zu bezeugen.

Die beiden Bischöfe betonten die starke Verbindung ihrer Kirchen. „Wir sprechen nicht von einem evangelischen, katholischen oder orthodoxen Christus. Es ist der eine Herr, von dem wir reden“, erklärte Bedford-Strohm. Er verwies darauf, dass die Protestanten 2017 erstmals ein Reformationsgedenken nicht zu ihrer Selbstprofilierung feierten. Im Geiste von Martin Luther solle es ein Christusfest mit den Katholiken werden. Marx wiederum tat den Wunsch kund, dass dann deutlich werden möge: „Diese Christen bekommen wir nicht mehr auseinander. Die gehören zusammen.“

Zum „Miteinander für Europa“-Kongress hatten sich von 30. Juni bis zum 2. Juli tausende katholische, evangelische, anglikanische und orthodoxe Christen ebenso wie Mitglieder von Freikirchen und neuen Gemeinden aus 32 Ländern versammelt. Zur Abschlusskundgebung auf dem Münchner Stachus schickten auch Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. Videobotschaften, in denen sie die Christen aufriefen, für ein vereintes Europa einzutreten. Das Oberhaupt der katholischen Kirche sagte, es sei Zeit, sich zusammenzutun, „um mit wahrhaft europäischem Geist die Problematik unserer Zeit anzugehen“. Vielleicht habe es noch nie eine solche Notwendigkeit gegeben, zusammenzustehen und solidarisch zu handeln, ergänzte Bartholomaios.

Europa finde sich in einer komplexen Welt vor, die ständig in Bewegung, immer stärker globalisiert und von daher immer weniger eurozentrisch sei, gab der Papst zu bedenken. Wenn diese epochale Problematik erkannt werde, „müssen wir den Mut haben zu sagen: Wir brauchen Veränderung“. Europa sei aufgerufen, zu reflektieren und sich zu fragen, ob sein enormes, vom Christentum geprägtes Erbe noch fähig sei, die Kultur zu inspirieren und seine Schätze der ganzen Menschheit zu schenken.

Eine sehr persönliche Bilanz zog Altbischof Herwig Sturm im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst: „Ich war beeindruckt von der hohen Qualität der Auseinandersetzung über Sinn und Zukunft von neuen Bewegungen für die Kirche, für die Gesellschaft und für Europa.“ Sturm war als Teilnehmer in München dabei und moderierte gemeinsam mit Beate Mayerhofer-Schöpf das „Forum 11“ am Kongress. Bei diesem Forum wurde über das österreichische Modell der „Runden Tische“ als Weg zur Versöhnung diskutiert. 1997 wurde der „Runde Tisch“ als Forum für leitende Personen in Gemeinden und Kirchen gegründet, mit dem Ziel „des Sichtbarwerdens der Einheit, die wir in Jesus Christus haben“, heißt es in einem Folder. Der „Runde Tisch“ vereint evangelische, katholische und freikirchliche Christinnen und Christen. Altbischof Sturm sieht darin ein Modell für die Kirche der Zukunft und betont den hohen Stellenwert von Versöhnung: „Ohne Versöhnung bleibt jeder bei sich. Aber Versöhnung ist die Brücke und die Tür zum Nächsten, auch in einer Christusgemeinschaft, die von Freiheit und Ermutigung geprägt ist.“ In den Gesprächen sei es interessant gewesen zu sehen, dass es immer wieder Ermutigung gebraucht habe, damit leitende Personen in den Kirchen und Gemeinden zu den anderen hingehen, um etwas voneinander zu lernen und einander als Geschwister in Christus zu erkennen. Dies sei bei Kongressen wie in München natürlich leichter als sonst, räumt Sturm ein. „Was mich besonders bewegt hat, ist diese Erfahrung einer wirklich neuen Liebe und Offenheit für einander. Die Erfahrung von Geschwisterlichkeit in Christus.“

Die Veranstalter wollten mit dem internationalen christlichen Kongress ein Zeichen zur Überwindung nationaler und konfessioneller Egoismen setzen. Die Initiative „Miteinander für Europa“ entstand nach der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre im Jahr 1999. In dem Dokument erklärten die katholische Kirche und der Lutherische Weltbund nach jahrelangen theologischen Debatten, dass eine der zentralen Lehraussagen der Reformatoren heute keine Kirchentrennung mehr begründen kann. Inzwischen haben sich weitere Konfessionen dem Konsens angeschlossen.

ISSN 2222-2464