Chalupka: „Kommende Regierung muss Pflegelücke schließen“

Vertreter von fünf Hilfsorganisationen fordern von der künftigen Bundesregierung nachhaltige Reformen im Pflegebereich. (v.l.: Walter Marschitz, Erich Fenninger, Michael Opriesnig, Michael Chalupka, Bernd Wachter; Foto: epdÖ/S.Janits)
Vertreter von fünf Hilfsorganisationen fordern von der künftigen Bundesregierung nachhaltige Reformen im Pflegebereich. (v.l.: Walter Marschitz, Erich Fenninger, Michael Opriesnig, Michael Chalupka, Bernd Wachter; Foto: epdÖ/S.Janits)

Hilfsorganisationen fordern bessere Unterstützung

Wien (epdÖ) – Mehr Geld für die Betreuung alter und pflegebedürftiger Menschen, bessere Berufsaussichten für Menschen im Pflegebereich sowie mehr Unterstützung für pflegende Angehörige forderten die fünf Organisationen der Bundesarbeitsgemeinschaft „Freie Wohlfahrt“ am 5. November bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Aufgaben in der Betreuung und Pflege würden kontinuierlich wachsen, ebenso die Anzahl der Menschen mit Pflegebedarf. Diakonie, Caritas, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe wünschen sich von der kommenden Bundesregierung einen von allen Beteiligten mitgetragenen Plan für die anstehenden Herausforderungen in Sachen Pflege.

„Die Sicherstellung der mittelfristigen Finanzierung der Pflege ist eine der vordringlichsten Aufgaben der neuen Bundesregierung“, erklärte der Bundesgeschäftsführer des Hilfswerks Walter Marschitz. Insgesamt werden von 2014 bis 2020 im Pflegebereich zusätzlich Mittel in der Höhe von 4,2 Milliarden Euro notwendig sein.

„Die kommende Regierung muss die Pflegelücke schließen und einerseits gute soziale Dienstleistungen wie Tageszentren und Notpflegedienste ausbauen, andererseits das Pflegegeld regelmäßig erhöhen“, so Diakonie-Direktor Michael Chalupka. Er bemängelte die Alternativlosigkeit, vor der pflegende Angehörige derzeit noch stehen. „Entweder man pflegt seine Angehörigen daheim oder man gibt sie in ein Pflegeheim. Ein Angebot dazwischen gibt es noch kaum. Und wenn, dann ist es oft nicht leistbar.“ Chalupka setzt sich für einen Ausbau von Tageszentren und der stundenweisen Betreuung von pflegebedürftigen und alten Menschen ein. Dies hätte auch volkswirtschaftliche Vorteile, da Frauen, die oftmals für die Pflege ihren Beruf aufgeben, zurück auf den Arbeitsmarkt könnten und neue Tageszentren Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen schaffen würden. Zum Thema Pflegegeld führte Chalupka konkreter aus: „In den vergangenen Jahren wurde das Pflegegeld um 27 Prozent entwertet. Wer heute 900 Euro bekommt, müsste eigentlich 1.200 Euro bekommen. Es ist beschämend, wie hier Einsparungen auf dem Rücken alter und pflegebedürftiger Menschen über die Hintertür durchgeführt wurden.“

Um Pflegeleistungen in Zukunft besser steuern zu können, fordert Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe Österreich, dass Maßnahmen wie das Care Management gestärkt und Trägerorganisationen in die Bedarfserhebung besser eingebunden werden. „Unser Pflegesystem gleicht einem ‚Fleckerlteppich‘. Es wird Zeit, dass sich die Politik an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Die Menschen müssen das System steuern und nicht das System die Menschen“, betonte Fenninger. Von den rund 449.000 PflegegeldbezieherInnen lebe die große Mehrheit zu Hause. Etwas mehr als die Hälfte wird ausschließlich von Angehörigen unterstützt und gepflegt, diese leiden unter vielfältigen Belastungen. Fenninger bemängelte darüber hinaus, dass die Rahmenbedingungen der Pflege stark davon abhängen, in welchem Bundesland man wohne. „Es ist eine Frage der Gerechtigkeit: Pflege darf nicht vom Wohnort abhängen.“

„Pflegende Angehörige brauchen wirksame Entlastung und Unterstützung“, sagte Michael Opriesnig, stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. Bernd Wachter, Generalsekretär der Caritas Österreich, forderte eine Aufwertung der Pflegeberufe. „Wir brauchen eine ausreichende Zahl gut qualifizierter MitarbeiterInnen in der Betreuung und Pflege“, so Wachter. Studien würden zeigen, dass Beschäftigte in diesem Bereich sehr zufrieden mit ihrer Arbeit sind. Mit attraktiveren Ausbildungsmodulen und besserer Bezahlung soll mehr Menschen der Weg in diese Branche geebnet werden. „Hier wird viel Engagement und Qualität auf der Straße liegengelassen“, kritisierte Wachter.

ISSN 2222-2464