Chalupka: Katastrophenhilfefonds endlich reformieren

Zukunftsweisendes Diakonie-Projekt in Sri Lanka gefährdet

Wien (epd Ö) – Eine Totalreform des Katastrophenhilfefonds der österreichischen Bundesregierung hat Diakoniedirektor Michael Chalupka gefordert. Während für die unmittelbaren Folgen der Tsunami-Katastrophe von 2004 reichlich private und öffentliche Gelder aufgebracht werden konnten, sei die Finanzierung von Projekten, die sich mit weniger spektakulären Spätfolgen beschäftigen, nur schwer zu erreichen, beklagte Chalupka bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien.

Chalupka stellte ein „weltweit einzigartiges“ Diakonieprojekt für die Menschen an der Ostküste Sri Lankas vor. In Ampara erhielten vor wenigen Tagen 16 Studenten – sowohl Singhalesen als auch Tamilen – nach erfolgreicher Ausbildung zu psychologischen Beratern für traumatisierte Menschen („Trauma Counsellors“) ihre Diplome. Ausgebildet worden waren sie im örtlichen „Centre for Psychosocial Care“ (CPC) von Professoren der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt unter der Leitung der Grazerin Barbara Preitler.

Der universitäre Lehrgang „Academic Trauma Counsellor“ war 2005 gestartet worden. Für Sri Lanka ungewöhnlich ist, dass die Berater in ethnisch gemischten Teams unterwegs sein werden. Die Weiterführung des Lehrganges sei allerdings nicht gesichert, beklagte Chalupka. Und er wiederholte seinen bereits im Jänner gemachten Vorwurf an die Bundesregierung, dass alle Bemühungen der Diakonie um eine Finanzierung aus dem Tsunami-Katastrophenfonds der Bundesregierung bisher gescheitert seien.

Der Fonds sei derzeit eine Fehlkonstruktion, so der Diakoniedirektor. Wer ansuche, müsse einen „Spießrutenlauf“ absolvieren. Das Problem sei, dass grünes Licht für eine Finanzierung aus dem – 2004 von Wolfgang Schüssel ins Leben gerufenen – Fonds erst dann gegeben werde, wenn der gesamte Ministerrat seine Zustimmung zu einer außerbudgetären Sonderfinanzierung gegeben habe. Dies wiederum sei völlig unrealistisch. „Aus den Erfahrungen mit der Tsunami-Katastrophe wird die Notwendigkeit einer Verbesserung des Katastrophenhilfefonds der Österreichischen Bundesregierung ersichtlich“, ist Chalupka überzeugt.

Der Diakoniedirektor stellte in diesem Zusammenhang fünf Forderungen: Einrichtung eines permanenten Katastrophenhilfefonds der Bundesregierung, ausgestattet mit einem fixen Sockelbetrag; effiziente Verwaltung dieses Fonds durch die „Austrian Development Agency“; einheitliche Richtlinien bezüglich der Antragstellung für die Hilfsorganisationen; Transparenz in der Projektvergabe; Evaluierung im Blick auf die Nachhaltigkeit der über diesen Fonds finanzierten Projekte.

In Ampara hatte der Tsunami im Dezember 2004 mehr als 10.000 Todesopfer gefordert. Der bis heute andauernde Konflikt zwischen den ethnischen Gruppierungen im Land verunsichere die Zivilbevölkerung und mache die Gestaltung eines normalen Alltags in der Region zusätzlich schwierig. Erst vergangenes Wochenende wurden wieder 90 Opfer gemeldet.

Bisher konnte die Diakonie trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen 2.000 betroffenen Menschen psychosoziale Hilfe geben. Um zahlreiche weitere traumatisierte und schwer erkrankte Menschen in dieser Region zu erreichen, sei jedoch weitere finanzielle Unterstützung dringend notwendig, so die Diakonie.

Spendenkonto: PSK 23.13.300 (BLZ 60.000), Kennwort: „Sri Lanka“

ISSN 2222-2464