Chalupka: Hungerstreik ist ein Hilfeschrei

Johanniter-Chefarzt Michael Hüpfl, Wolfgang Olbricht (Leiter des Sozialteams der Johanniter in Wien) und Diakonie-Direktor Michael Chalupka bei einem Lokalaugenschein im Asylwerber-Camp in der Wiener Votivkirche. (Foto: epdÖ/S. Janits)
Johanniter-Chefarzt Michael Hüpfl, Wolfgang Olbricht (Leiter des Sozialteams der Johanniter in Wien) und Diakonie-Direktor Michael Chalupka bei einem Lokalaugenschein im Asylwerber-Camp in der Wiener Votivkirche. (Foto: epdÖ/S. Janits)

Johanniter betreuen hungernde Asylwerber in Wien

Wien (epdÖ) – Die verantwortlichen PolitikerInnen sollen in die Wiener Votivkirche kommen und Kontakt mit den Asylwerbern aufnehmen, die seit mehreren Tagen im Hungerstreik sind, sagte Diakonie-Direktor Pfarrer Michael Chalupka bei einem Besuch des Asylwerber-Camps in der Wiener Votivkirche am 31. Dezember 2012. Chalupka besuchte unter anderem die MitarbeiterInnen der Johanniter-Unfall-Hilfe, die für die medizinische Versorgung der rund 40 Asylwerber zuständig sind. „Der Hungerstreik ist ein Hilfeschrei“, hielt Chalupka fest. Die Menschen in der Votivkirche seien verzweifelt und wüssten sich nicht anders zu helfen. Aufgabe der Kirchen und ihrer Hilfsorganisationen könne nur sein, humanitäre Hilfe zu leisten, betont Chalupka. Die Hilfe werde von den Bewohnern des Asylwerber-Camps gut angenommen, letztlich würden sie aber das Gespräch mit den politisch Verantwortlichen suchen und nicht mit Vertretern von NGOs.

Die Hungerstreikenden seien allesamt vernünftige Menschen, die Gruppe in sich stark und sehr diszipliniert, erklärt Michael Hüpfl, Chefarzt der Johanniter für Wien. Gemeinsam mit seinem Team betreut er die Männer in der Kirche. Den Patienten ginge es den Umständen entsprechend gut. „Wir versorgen die Asylwerber hier so gut es geht. Für den Fall, dass sich der Zustand eines Hungerstreikenden drastisch verschlechtert, hat sich das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder bereit erklärt, ihn solange zu übernehmen, bis er wieder in die Votivkirche zurückkehren kann.“ Ausdrücklich lobt der Mediziner die gute Zusammenarbeit mit den Asylwerbern und den achtsamen Umgang der Gruppe mit- und untereinander. „Die Gruppe achtet etwa darauf, dass alle genügend Flüssigkeiten zu sich nehmen und alle regelmäßig aufstehen und sich bewegen.“ Neben dem Verzicht auf Nahrung sei aber auch die niedrige Temperatur in der Votivkirche ein großes Problem, die Versorgung mit Strom um etwa Heizstrahler aufzustellen, sei mangelhaft. Regelmäßig seien die Stromleitungen überlastet, an ein Heizen des Kirchenschiffs sei derzeit nicht zu denken.

Alle, die sich in der Votivkirche um die Asylwerber kümmern, sagen, dass es sich um friedliche Menschen handelt, die auf die aktuelle Situation für Asylwerbende in Österreich aufmerksam machen wollen. Der Vorwurf, es handle sich um Aktivisten, weisen die Johanniter, aber auch die MitarbeiterInnen der Caritas vor Ort zurück.

Diakonie-Direktor Michael Chalupka erinnerte im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst an die Forderung der Diakonie, einerseits die Grundversorgung für Asylwerbende zu verbessern und andererseits ihnen einen schnelleren und besseren Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Konkret solle etwa ein Wechsel des Bundeslandes auch während der Grundversorgung erlaubt sein. Gleichzeitig fordert Chalupka, dass bei der Unterbringung der Asylwerber mehr auf deren Bedürfnisse eingegangen wird. „Es gibt Fälle, wo eine iranische Bauernfamilie in Wien untergebracht wird und ein alleinstehender afrikanischer Mann, der aus einer Großstadt kommt, ein Quartier in einem Bauerndorf erhält.“

ISSN 2222-2464