Chalupka fordert Paradigmenwechsel in der Integrationspolitik

Diakonie bekräftigt anlässlich des Reformationstages ihre Forderungen an die neue Regierung

Wien (epd Ö) – „Was wir uns von der neuen Regierung wünschen, ist ein Paradigmenwechsel in der Integrationspolitik, und keine weitere ‚more-of-the-same‘-Diskussion, wie wir sie in letzter Zeit miterleben mussten“, betonte Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, bei der Pressekonferenz der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) am Donnerstag, 30. Oktober, in Wien. Dabei haben die fünf größten Hilfsorganisationen in Österreich (Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz, Volkshilfe, Hilfswerk) ihre gemeinsamen Forderungen an die neue Regierung vorgestellt.

„Von ernsthafter Integration kann nur die Rede sein, wenn sie auch rechtliche Gleichstellung, soziale Chancengleichheit und die Wahrung und Förderung kultureller Vielfalt bedeutet“, sagte Chalupka. Als einziger Lernerfolg der Integrationsplattform sei zu verbuchen, dass dadurch Integration als Querschnittmaterie verstanden werde, die verschiedene politische Handlungsfelder umfasst. „Deshalb bedarf es hier einer klaren politischen und bereichsübergreifenden Verantwortung und Steuerung. Wir fordern daher ein Integrationsministerium, das ganzheitlich arbeitet und alle Bereiche wie Bildung, Arbeitsmarkt, Kultur und Soziales mitberücksichtigt“, so Chalupka.

Jeder Mensch, der sich legal in Österreich aufhält, soll nach mehreren Jahren dauerhaft hierbleiben und mit seiner Familie zusammenleben können. Dazu brauche es laut Chalupka einen Zugang zum Arbeitsmarkt, das Recht auf Ausübung der Religion sowie politische und soziale Mitbestimmung.

Im Hinblick auf den morgigen Reformationstag erinnerte der Diakonie-Direktor daran, dass es noch vor drei Generationen der Kirche in der Dorotheergasse im ersten Wiener Gemeindebezirk nicht gestattet war, Kirchtürme auf ihre evangelische Kirche zu setzen. „Wenn wir morgen den Reformationstag begehen, dann sollten wir auch daran denken, dass jeder Mensch, der sich legal in Österreich aufhält, seine Religion ausüben und die eigene kulturelle Identität bewahren darf. Für den Integrationsprozess ist das eine wesentliche Voraussetzung, denn nur wer seine Wurzeln kennt und sie auch pflegen kann, wird sich heimisch fühlen können.“

Abschließend wies Michael Chalupka auf die Wichtigkeit des Zugangs zur Bildung hin: „Als Evangelische ist uns bewusst, dass ein bleibendes Erbe der Reformation der Zugang zur Bildung aller ist. Wir wissen, dass Migrantinnen und Migranten die Sprache erlernen wollen, es ist viel eher eine Frage der Angebote und der Kosten. Wir fordern daher Sprachförderung bereits im Kindergarten, Ausbau der Angebote im schulischen Bereich sowie angepasste und leistbare Bildungsangebote für Erwachsene.“ Für die neue Regierung sei es jetzt „dringend an der Zeit, die Maßnahmen endlich umzusetzen, damit Zukunft ohne Herkunft möglich wird“.

ISSN 2222-2464