Chalupka fordert „humanitäres Visum“ für Flüchtlinge

Diakonie-Direktor Michael Chalupka präsentierte in der ORF-Pressestunde seine Idee der "humanitären Visa", um Flüchtlingen einen legalen Zugang nach Europa zu ermöglichen. (Foto: Screenshot)
Diakonie-Direktor Michael Chalupka präsentierte in der ORF-Pressestunde seine Idee der „humanitären Visa“, um Flüchtlingen einen legalen Zugang nach Europa zu ermöglichen. (Foto: Screenshot)

Diakonie-Direktor zu Gast in der ORF-„Pressestunde“

Wien (epdÖ) – „Täglich ertrinken Menschen auf der Flucht im Mittelmeer. Diese tragische Situation ist nicht länger hinnehmbar“, betonte Diakonie-Direktor Michael Chalupka in der ORF-Sendung „Pressestunde“ am 3. Mai. „Eine Wurzel des Problems ist, dass es keinen legalen Weg gibt, um nach Europa zu kommen und hier Asyl zu beantragen“, so Chalupka. Die Diakonie schlägt vor, besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen ein „humanitäres Visum“ zu gewähren, damit diese gefahrlos nach Österreich kommen können. Eine entsprechende Initiative namens „Save lives now“ sei bereits gestartet. Mit diesem Pilotprojekt könnten 200 Menschen sicher aus Gefahrenregionen gelotst werden.

Dieses Vorhaben will die Diakonie gemeinsam mit ihrer italienischen Schwesterorganisation durchführen, die 1000 Menschen so aus den Krisenregionen vor allem Afrikas retten will. Auch Gespräche mit Partnern in Deutschland und den Niederlanden laufen laut Chalupka. Dem Staat entstünden keine Kosten.

Chalupkas Vorstellungen zufolge würden die Flüchtlinge in Absprache mit dem UNHCR den österreichischen Botschaften für ein sechsmonatiges Visum vorgeschlagen und könnten nach Gewährung eines „humanitären Visums“ und der Reise nach Österreich hier einen Asylantrag stellen und ihr Verfahren abwarten. Jedoch sei es mit der Umsetzung dieser Initiative nicht getan, erklärte der Direktor der evangelischen Hilfsorganisation. Vielmehr plädierte Chalupka etwa für die Wiedereinführung der Botschaftsverfahren sowie für die Schaffung legaler Korridore, um gefahrlos nach Europa kommen zu können. Zudem sollte es weitere Resettlement-Programme geben, in denen Flüchtlinge gezielt in Europa angesiedelt werden. Ferner bräuchte es ein einheitliches Asylverfahren in ganz Europa und die Möglichkeit für Flüchtlinge, sich innerhalb der EU ihren Arbeitsort selbst aussuchen zu können. Einmal mehr verlangte Chalupka auch, Asylwerbern in Österreich den Zugang zum Arbeitsmarkt zu eröffnen. Damit würden die Qualifikationen der Flüchtlinge bewahrt.

Dass der Flüchtlingsstrom nach Österreich nicht mehr bewältigbar sei, verneinte der Diakonie-Direktor. In der Ungarn-Krise habe man mehr als 200.000 Personen aufgenommen, im Bosnien-Krieg 90.000, also viel mehr Flüchtlinge als derzeit.

Direkte Kritik an Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) äußerte Chalupka nicht, sagte aber, dass man in der Flüchtlingspolitik noch vieles verbessern könne. Von Mikl-Leitners Vorschlag, Flüchtlingslager in den Krisenregionen selbst unter Schirmherrschaft des UNHCR zu gründen, hält der Diakonie-Direktor jedenfalls nichts. Riesige Lager gebe es jetzt schon.

Kritischer als zu Mikl-Leitner äußerte sich Chalupka in Richtung Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP). Der ermahne zwar gerne andere wie das AMS, wenn es zu wenige Deutschkurse für anerkannte Flüchtlinge gebe, dabei müsse aus seinem eigenen Haus mehr kommen. Da müsse sich Kurz eben auch einmal gegen den Finanzminister durchsetzen, findet der Diakonie-Direktor.

ISSN 2222-2464