Burgenland: Evangelische Kirche lud zu Bildungsempfang

Landeshauptmann Hans Niessl und Superintendent Manfred Koch mit Moderatorin Doris Fennes-Wagner beim burgenländischen Bildungsempfang. Foto: epd/Uschmann
Landeshauptmann Hans Niessl und Superintendent Manfred Koch mit Moderatorin Doris Fennes-Wagner beim burgenländischen Bildungsempfang. Foto: epd/Uschmann

Koch: Bildung unerlässlich, um Welt als mündige Christen mitzugestalten

Eisenstadt (epdÖ) – Evangelische Christinnen und Christen wollen sich nicht in ein „frommes Reservoir“ zurückziehen, sondern als „mündige Christen die Welt mitgestalten“. Dazu sei Bildung unerlässlich, unterstrich der burgenländische Superintendent Manfred Koch am Freitag, 30. Oktober, in Eisenstadt. Am Vorabend der Reformation hatte die Evangelische Kirche zum Empfang anlässlich des Jahres der Bildung ins Landesstudio Eisenstadt geladen. Bildung und soziale Verantwortung seien wichtige Anliegen der Evangelischen Kirche, so der Superintendent weiter. Die Anregungen, die Expertinnen und Experten für das Jahr der Bildung erarbeitet hatten, wurden von den Pfarrgemeinden „intensiv in Anspruch genommen“, eine breite Palette von Bildungsveranstaltungen habe das Schwerpunktjahr geprägt.

Dankbar, dass sich die Evangelische Kirche intensiv dem Thema Bildung widme, zeigte sich Landeshauptmann Hans Niessl. Bildung sieht der Landeshauptmann als wesentliches Zukunftsthema, „die Zukunft unserer Gesellschaft wird im Klassenzimmer entschieden“, sagte der Landeshauptmann beim Empfang. Bis 2020 soll im Burgenland das beste Bildungssystem Österreichs entstehen, schon jetzt sei man auf gutem Weg zum „Bildungsland Nummer eins“, so habe etwa das Burgenland die höchste Maturantenquote aller Bundesländer.

Bildung sei eine besondere Herausforderung für jede Pfarrgemeinde, von der Elementarpädagogik bis hin zum Erwachsenenbildungsprogramm, meinte Oberkirchenrat Karl Schiefermair. Im Bildungsbericht, den die Evangelischen Kirchen erstmals im Jahr der Bildung vorgelegt haben, werde die derzeitige Situation in allen Arbeitsfeldern analysiert, von anderen Expertinnen und Experten reflektiert und Visionen dargestellt. Über diese wünscht sich der für Bildung zuständige Oberkirchenrat noch mehr kritische Diskussionen. Am Vortag des Reformationsfestes erinnerte Schiefermair daran, dass die Kirchenreform eine Bildungsreform ausgelöst habe. Ziele waren Inklusion und Bildungsgerechtigkeit, jeder und jede sollte die Bibel lesen können.

Ein Votum für den konfessionellen Religionsunterricht gab Landesschulratsdirektorin Sandra Steiner ab. Dieser sei keine „Belangsendung einer Religion“, sondern trage durch die Vermittlung verschiedener Weltanschauungen zur Gemeinschaftsbildung bei und wehre Fundamentalismus ab. Pfarrer Stefan Grauwald berichtete über die erlebnispädagogischen Ansätze, die mit großem Erfolg in die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie in die Jugendarbeit einfließen. Die Erlebnispädagogik wage den Schritt heraus aus der Komfortzone in die Lernzone, indem Jugendliche Situationen erleben, in denen sie selbst Lernerfahrungen machen.

Dass Bildung wichtig für Integration sei, betonte die Oberwarter Pfarrerin und Geschäftsführerin der Diakonie Burgenland, Sieglinde Pfänder. Flüchtlinge, so die Pfarrerin, bräuchten dringend Zugang zu Bildung. Der Bildungsprozess, an dem sich auch viele Ehrenamtliche beteiligten, wirke oft wechselseitig: „Ich konnte durch die Arbeit mit Flüchtlingen etwa mein Englisch aufbessern“, erzählte Pfänder. Angesichts der Flüchtingssituation gelte es, die biblische „Willkommenskultur“ gegenüber Fremden ernst zu nehmen.

Präsentiert wurde auf dem Empfang auch das neue Buch „Zum Glauben aufbrechen. Evangelische Bildung im Burgenland von der Reformation in die Zukunft“, das im Evangelischen Presseverband erschienen ist. Dieses Buch, so die Vorsitzende der Evangelischen Frauenarbeit Burgenland, Susanna Hackl, zeige, „wie wir als Evangelische Bildung in Zukunft gestalten wollen“. Namhafte Autoren wie Michael Floiger, Helmut Frauneder, Gustav Reingraber, Karl Schiefermair und Erwin Schranz betrachten die evangelische Bildungslandschaft im Burgenland aus unterschiedlichen Perspektiven.

Einer der Autoren, der Historiker, Kirchenrechtlicher und langjährige Superintendent des Burgenlands, Gustav Reingrabner, ging in seinem Impulsvortrag beim Empfang auf die Bildungsaktivitäten in der geschichtlichen Entwicklung der burgenländischen Pfarrgemeinden ein. Der Grundsatz „Wer seinen Glauben bekennt, muss auch wissen, was er bekennt“ habe die Arbeit geprägt und dazu geführt, dass trotz staatlicher Verbote die Inhalte des Glaubens der nächsten Generation vermittelt wurden. Nicht nur die Familie habe hier eine wichtige Rolle gespielt, vor allem die evangelischen Schulmeister und Prediger hätten „über das enge Milieu der Gemeinde“ hinausgeführt und Voraussetzungen geschaffen, „die eine Besserung der Verhältnisse ermöglichen sollten“. Wesentlicher Träger von Bildung und Kultur war die sonntägliche Predigt, in der auch neue Nachrichten weitergegeben wurden. „Man wusste, dass es immer wieder Aufbrüche zu neuen Ufern geben musste“, resümierte der Historiker. Die Verkündigung der Botschaft sei nicht unabänderlich festgelegt, sondern „eine Verpflichtung, die immer wieder neu angegangen werden muss“.

Auf die globalen Zusammenhänge kam der führende Demograf Wolfgang Lutz zu sprechen. Bildung sei ein Hauptfaktor in der Entwicklung der Menschen, sie „macht uns stärker und befähigt uns, anderen zu helfen“, ebenso sei Bildung Voraussetzung für die komplexe Organisation moderner Wohlfahrtsstaaten. Nicht der Kampf der Kulturen oder Religionen sei Ursache vieler Konfliktherde, sondern der Unterschied der Bildungskulturen, erklärte Lutz. Bildung führe zu einer langsameren Bevölkerungsentwicklung und wirke sich durch Innovationen und Änderung des Lebenswandels auch positiv auf den Klimawandel aus. In der Entwicklungszusammenarbeit sei eine Schwerpunktverschiebung von Infrastrukturprojekten hin zur Bildung dringend geboten.

Gezeigt wurde bei dem Empfang, an dem rund 120 geladene Gäste aus der Evangelischen Kirche und dem öffentlichen Leben teilnahmen, auch das „Österreich-Bild“ über evangelisches Leben im Burgenland, das am 1. November gesendet wurde. Dieser Beitrag dokumentiere den Bildungsauftrag des ORF, unterstrich Landesdirektor Karl Heinz Papst. Der Film von Erich Schneller sei ein „beeindruckendes Dokument der Evangelischen Kirche im Burgenland“.

Musikalisch gestalteten den Empfang ein Bläserensemble unter Helmut Lang und der Chor des Wimmer-Gymnasiums Oberschützen unter der Leitung von Markus Kern. Durch den Abend führte ORF-Moderatorin Doris Fennes-Wagner.

Bilder vom Empfang finden Sie unter foto.evang.at

ISSN 2222-2464