Burg Finstergrün

"Auf der ganzen Burg gibt es kein W-Lan und keinen Fernseher – dafür Wehrgänge, Wendeltreppen und einen Rittersaal. Und das Schönste dabei, für alle gelten die ritterlichen Tugenden." Foto: Burg Finstergrün
"Auf der ganzen Burg gibt es kein W-Lan und keinen Fernseher – dafür Wehrgänge, Wendeltreppen und einen Rittersaal. Und das Schönste dabei, für alle gelten die ritterlichen Tugenden." Foto: Burg Finstergrün

Von Gott und der Welt – Michael Chalupka über ritterliche Tugenden

Wer das Murtal hinauffährt und die Landesgrenze zwischen der Steiermark und Salzburg überquert, sieht eine mächtige Burg zu seiner Linken: die Burg Finstergrün bei Ramingstein. So eine Burg hat viel gesehen. Ursprünglich als Grenzbefestigung des Salzburger Erzbischofs gegen die wilden Steirer erbaut, verfiel sie zur Ruine und erstand als romantische Burg kurz vor dem ersten Weltkrieg wieder. Seit Ende des zweiten Weltkriegs sieht diese Burg aber ganz andere Dinge. Kinder klettern auf ihren Mauern herum, und Jugendliche feiern Gottesdienste auf dem Bibelfelsen. Seit 1949 wird die Burg von der Evangelischen Jugend genutzt und wartet mit Sensationen auf. Auf der ganzen Burg gibt es kein W-Lan und keinen Fernseher – dafür Wehrgänge, Wendeltreppen und einen Rittersaal. Und das Schönste dabei, für alle gelten die ritterlichen Tugenden. Die vier weltlichen: Maß halten, Mut zeigen, Weisheit üben und Gerechtigkeit wagen; und die drei „himmlischen Tugenden“: Glaube, der Vertrauen schenkt, Liebe, denn jeder ist ein Kind Gottes, und Hoffnung, nicht allein zu bleiben. In den letzten 70 Jahren haben tausenden von Kindern und Jugendlichen für einige Tage in dieser Burg gelebt. Die ritterlichen Tugenden haben sie mit nach Hause genommen. Manchmal kann man es noch merken, wenn man einem Ritter oder einer Ritterin der Burg Finstergrün begegnet, nicht an der Rüstung, aber am offenen Geist.

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ISSN 2222-2464