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Bünker zum Hiroshima-Tag: Gedenken an Atombombenabwürfe gewinnt leider immer wieder an Aktualität

Gedenkveranstaltung der Wiener Friedensbewegung und der Hiroshima-Gruppe Wien

Wien (epd Ö) – „Das jährliche Gedenken an die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki gewinnt leider immer wieder neue Aktualität. Noch immer ist das Niveau der atomaren Rüstung unverantwortlich hoch“, schreibt der Bischof der Evangelischen Kirche A.B., Michael Bünker, in seinem Grußwort zum Hiroshima-Tag am 6. August. Die Wiener Friedensbewegung führt auch heuer wieder gemeinsam mit der Hiroshima-Gruppe Wien ihre traditionelle Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki durch. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr auf dem Wiener Stephansplatz und wird mit einem Laternenmarsch zum Teich vor der Karlskirche gegen 21 Uhr abgeschlossen. Im Rahmen der Aktion werden, wie in den Vorjahren, Grußbotschaften als Zeichen des gemeinsamen Eintretens für eine atomwaffenfreie Welt präsentiert.

Religionen müssen immer für Frieden eintreten

Bünker betont in seinem Grußwort, dass die Atombomben- und Raketentests Nordkoreas „Grund zu tiefer Beunruhigung“ gäben. Die Drohung mit atomarer Vergeltung und die scheinbare Aussichtslosigkeit von Verhandlungen und Sanktionen müssten überwunden werden, so der Bischof. „Dass mit Yukia Amano ein Japaner zum neuen Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) gewählt wurde, kann auch als Signal an Nordkorea verstanden werden. Außerdem bringt er das durch die schrecklichen Erfahrungen von 1945 bedingte kompromisslose Nein Japans zu Atomwaffen mit.“ Religionen seien immer aufgerufen, für Frieden und Abrüstung einzutreten. Religiöser Glaube helfe zu einem tieferen Verständnis der Zusammengehörigkeit aller Menschen in der Schöpfung, unabhängig von den ethnischen, kulturellen, politischen und religiösen Unterschieden.

Miklas: Fingerspitzengefühl ist gefragt

„Wieder einmal hat sich die Welt gewandelt. Zurzeit betreiben die meisten der etablierten Großmächte eine relativ vernünftige Politik mit Augenmaß. Man nimmt ihnen zumindest den guten Willen ab, zum Frieden, zur Gerechtigkeit und zur Bewahrung der Schöpfung konstruktiv etwas beitragen zu wollen“, schreibt der Superintendent der Steiermark, Hermann Miklas, in seinem Grußwort. Dies sei ein Grund zur Dankbarkeit. Bedrohungen gingen nun insbesondere von jenen aus, „die sich – aus welchen Gründen auch immer – als Benachteiligte und Verlierer von globalen Entwicklungen sehen.“ In diesem „Spiel“ schreckten sie auch vor atomaren Drohgebärden nicht zurück. „Und sie würden, wenn sie sich frontal angegriffen und in die Ecke gedrängt fühlen, wohl nicht zögern, Atomwaffen tatsächlich einzusetzen.“

Diese veränderte Situation verlange nun eine ganz neue Strategie, vor allem aber „besonderes Fingerspitzengefühl von Seiten der Vernünftigen: wohl Ächtung der eingesetzten Mittel, aber keine generelle diplomatische Ausgrenzung der betreffenden Staaten“. Vielmehr gelte es, sie allmählich wieder zurückzuführen in den Kreis der besonnen Agierenden. „Eine heikle Gratwanderung – möge sie gelingen!“

Hennefeld: Neues Zeitalter des Grauens

Der Abwurf der Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki wurde zum “Fanal für eine neue Ära der Menschheitsgeschichte. Er hat ein neues Zeitalter des Grauens eingeläutet”, betont der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld in seiner Grußadresse. Diese barbarischen Akte und dessen Folgen haben, so der Landessuperintendent, hunderttausenden Menschen das Leben gekostet. Menschen späterer Generationen leiden noch unter den Spätfolgen. “Diese Tage des Grauens sollten sich einbrennen in das Gedächtnis der Menschheit, um an die Opfer von damals zu denken und noch Schlimmeres zu verhüten”, unterstreicht Hennefeld.

“Möge Eure Veranstaltung viele Menschen davon überzeugen, dass nur der Druck der Bevölkerungen die Regierungen der Atommächte – auch die Barack Obamas – dazu bringen kann, das Damoklesschwert der atomaren Rüstung über der Erde ein für alle mal zu beseitigen”, schreibt Ulrich Duchrow, Vorsitzender von Kairos Europa, in seiner Grußbotschaft.

Für den Atombombenabwurf gebe es “kein Verstehen, keine Erklärung, die im Entferntesten mit Menschlichkeit zu tun hat”, hält die Vorsitzende der Evangelischen Frauenarbeit in Österreich, Evelyn Martin, fest. “Aufstehen, laut sein, Stimme erheben” sei das Gebot der Stunde.

Der Leiter der Evangelischen Akademie Kärnten, Martin Müller, weist darauf hin, dass auch 2009 noch riesige “Arsenale der Vernichtung” bestehen und in vielen Staat aufkeimende Aktionen demokratischer Selbstbestimmung “brutal niedergeschlagen” werden. Angesichts der Demokratieverdrossenheit in den westlichen Industrienationen sei das Engagement der Friedensbewegung “umso wichtiger”.

Für den früheren Wiener Superintendenten Werner Horn ist die Erinnerung notwendig, “um sich die Totalität atomarer Waffen ins Bewusstsein zu rufen und gegen die heutige Herstellung zu protestieren”. Auch wenn moralische Appelle oft unbeachtet blieben, seien sie dennoch nicht ohne Wirkung.

Informationen im Internet: www.hiroshima.at

ISSN 2222-2464