Bünker: Vom Zusammenhang zwischen Religion und Spiel

Fußballhimmel in der Hamburger Hauptkirche St. Petri

Wien (epd Ö) – „Unbestreitbar gibt es einen inneren Zusammenhang zwischen der Religion und dem Spiel“, schreibt Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker in der aktuellen Ausgabe der Furche. „Das Spiel gilt als sinnvoll, aber nicht als notwendig.“ Es unterscheide sich von jeder bloß auf Effekt und Gewinn ausgerichteten Tätigkeit: „Jürgen Moltmann spricht deshalb vom Spiel als einem Weltsymbol für Gottes Schöpfung.“

Anlass für diese Gedanken ist der „Fußballhimmel“, der dieser Tage in der evangelischen Hamburger Hauptkirche St. Petri hängt: Es sind 50 verschiedene Bälle, die von ebenso vielen Künstlerinnen und Künstlern gestaltet wurden. Die meisten Bälle hängen von der Decke des Gotteshauses und stellen so etwas wie einen Himmel über den Häuptern der Gläubigen dar.

„Religion in ihrer rundesten Form“, so der Titel dieser Installation, die bis zum Tag des Endspiels am kommenden Sonntag in der Kirche erlebbar sein wird.

Dies sei nur ein Beispiel von vielen, die anlässlich der derzeit laufenden WM den Zusammenhang von Fußball und Religion aufzeigen wollen. „Er wird auch sichtbar, wenn die Spieler einer Mannschaft sich im Kreis zum Gebet aufstellen, sich nach dem Torschuss bekreuzigen, wenn die Fans ihre Gesänge wie Choräle singen und ihre Begeisterung wie auch ihre Enttäuschung in durchinszenierten Liturgien zelebrieren.“

Das Spiel Gottes aber, so der Oberkirchenrat, erlange die finale Erlösung weder durch Torschüsse noch durch Elfmeterschießen, „bei dem es notwendigerweise Sieger und Verlierer geben muss“. Das Spiel Gottes folge einer anderen Logik, „in diesem Spiel heißt es am Ende: Der Verlierer hat gewonnen.“ Bünker: „Ob das der Grund ist, warum ich immer wieder Daumen für die Außenseiter drücke und mehr Mitgefühl mit den Verlierenden habe als Triumph mit den Siegern zu empfinden?“

ISSN 2222-2464