Bünker: Verantwortlich wirtschaften

Verantwortlichkeit bedeutet immer auch Mitverantwortlichkeit,, erklärte der evangelisch-lutherische Bischof beim ersten Kongress christlicher Führungskräfte im Stift Göttweig. Foto: Kongress christlicher Führungskräfte
Verantwortlichkeit bedeutet immer auch Mitverantwortlichkeit,, erklärte der evangelisch-lutherische Bischof beim ersten Kongress christlicher Führungskräfte im Stift Göttweig. Foto: Kongress christlicher Führungskräfte

Kongress christlicher Führungskräfte tagte im Stift Göttweig

Göttweig (epdÖ) – Solidarität, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Treue sind zentrale Grundhaltungen, wenn es darum geht, verantwortlich zu wirtschaften. Das erklärte der evangelisch-lutherische Bischof beim ersten Kongress christlicher Führungskräfte, der von Donnerstag bis Samstag im Stift Göttweig tagte.

Verantwortlichkeit bedeute immer auch Mitverantwortlichkeit und damit Solidarität. Sie definierte Bünker in seinem Vortrag als „Fähigkeit und Bereitschaft, sich mit anderen um eines gemeinsamen Zieles willen zusammenzuschließen sowie stellvertretend für die Belange anderer einzutreten“. So verstandene Solidarität beschränke sich nicht auf Mildtätigkeit, sondern beinhalte auch das Eintreten für eine partizipative Gesellschaft. Ebenso wichtig wie Solidarität sei Gerechtigkeit. In der Wirtschaft gehe es hier etwa um die Fragen nach gerechtem Lohn und gerechtem Preis. Ein gerechter Lohn sollte ein Leben in Würde ermöglichen und sei zugleich auch Ausdruck des wirtschaftlichen Erfolgs eines Unternehmens. Damit geraten auch die Managergehälter in den Blick: „Nach der Tugend des Maßes sollten sich die Spitzengehälter in einem Unternehmen vor den geringsten rechtfertigen lassen.“ Die Frage nach einem gerechten Preis stelle sich heute besonders bei Rohstoffen und Nahrungsmitteln, denn „die für ein Leben in Würde gebrauchten Waren müssen auch erschwinglich sein“, bekräftigte der Bischof.

Nachhaltigkeit meine nicht nur Natur- und Umweltschutz, sondern schließe „soziale Verantwortung, eine tragfähige Gesellschaft und ein zukunftsfähiges Wirtschaften ein“. Schließlich gehört aus der Sicht Bünkers auch die Haltung der Treue und der Wert des Vertrauens zum verantwortlichen Wirtschaften: „Gerade angesichts der vielbeklagten Vertrauenskrise erscheint mir diese Haltung besonders aktuell.“ Treue bedeute nicht nur Stabilität und Verlässlichkeit, „sie meint auch die andauernde Zuwendung zum anderen, die nicht von irgendwelchen Konjunkturen abhängig und damit letztlich willkürlich werden darf“. Unternehmerisches Handeln sei immer auf Vertrauen angewiesen. Dieses Vertrauen hänge davon ab, dass die Führungskräfte selbst in ihrem alltäglichen Handeln grundlegende ethische Werte und Tugenden vertreten. Bünker: „Das beginnt bei Verlässlichkeit, Transparenz und Ehrlichkeit und führt bis zur Wertschöpfung durch Wertschätzung.“

Unternehmen brauchen Ethik, zeigte sich Bünker überzeugt. Denn durch die vermehrten Orientierungsanforderungen in einer globalisierten Welt und durch die Wirtschaftskrisen seien Unternehmen mit einem steigenden moralischen Legitimationsdruck konfrontiert. Eine Unternehmensethik brauche jedoch Zeit und könne nicht „von heute auf morgen“ verwirklicht werden. Bünker: „Gelebte Unternehmensethik zeigt sich im Handeln, nicht im verbalen Moralisieren.“ Ohne das Vorbild einer integren und engagierten Führung blieben alle Regelungen und Normen wirkungslos.

Religion sei an sich unökonomisch, erklärte Bünker weiter, denn Religion und Glaube treten für jene Bereiche des Lebens ein, die nicht nach der Logik des Marktes funktionieren. „Wirtschaftliches Handeln oder wirtschaftliche Theorien dürfen nie zum Gegenstand des Glaubens, zum Idol werden“, warnte der Bischof. Daran könne Religion im Gespräch mit der Wirtschaft erinnern.

ISSN 2222-2464