Bünker: USA verschlimmern Situation

Wer Krieg will, kann sich nicht auf Kirchen und Bevölkerung berufen, meint der evangelische Oberkirchenrat Michael Bünker zur Irak-Krise.

Wien, 9. Oktober 2002 (epd Ö) Wer den Krieg gegen den Irak will, kann sich nicht auf Kirchen und Religion berufen, ebenso wenig auf die Interessen der Bevölkerung. Diese Meinung vertritt der evangelische Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker in seiner Kolumne der aktuellen „Furche“-Ausgabe. Der Resolutionsentwurf, den die USA vergangene Woche in den UN-Sicherheitsrat einbrachten, erinnere an das Ultimatum Österreich-Ungarns an Serbien im Jahr 1914. „Damals wurde eine schlimme Situation noch schlimmer. Dieselbe Gefahr besteht heute“, warnt Bünker.

Unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung würden nicht nur seit Monaten Menschenrechte verletzt, wie die Haftbedingungen auf Guantanamo zeigten. Nun werde auch das internationale Recht in Frage gestellt, wenn ein Präventivschlag gegen den Irak auch ohne UN-Mandat durchgesetzt werde. Der zivilgesellschaftliche Protest organisiere sich unter der Parole „Not in our Name“ und dokumentiere damit, dass der Krieg nicht im Interesse der Bevölkerung stattfinde.

Bünker erinnert an die zahlreichen Warnungen der Kirchen, insbesondere in den USA und Großbritannien, sowie auch an die Position des Ökumenischen Rates der Kirchen. Seit Monaten hätten der Vatikan und etwa auch der neue Erzbischof von Canterbury einen Militärschlag gegen den Irak ohne UN-Mandat als „ungerechtfertigt“ abgelehnt.

ISSN 2222-2464