Bünker und Schönborn würdigen Bundeskanzler Faymann

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Mit Religionsdialog wichtigen Beitrag für das gute Zusammenleben geleistet

Wien (epdÖ) – Kardinal Christoph Schönborn und Bischof Michael Bünker haben Bundeskanzler Werner Faymann gewürdigt, der am Montag von allen Funktionen zurückgetreten ist. Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bezeichnete Faymann als integrative Persönlichkeit, die sich stets auch um das Gespräch mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften bemüht habe. Es sei dem Kanzler ein Anliegen gewesen, jeder Polarisierung in der Gesellschaft entgegenzuwirken und sich für ein „Miteinander in aller Vielfalt auf Basis der Menschenrechte“ starkzumachen, so Bünker. Der Kanzler und die Kirchen und Religionsgemeinschaften hätten hier die gleichen Anliegen. Diesen Fokus erhofft sich Bünker auch von der künftigen Regierungsspitze. Der Bischof hob in diesem Zusammenhang auch die Religionsfreiheit in Österreich hervor, „auf die wir zu Recht stolz sein können“. Bünker würdigte ausdrücklich den von Faymann initiierten Religionsdialog im Bundeskanzleramt. Mit seiner Einladung an die Spitzenvertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften habe Faymann einen wichtigen Beitrag für das gute Zusammenleben in Österreich geleistet. Für ihn seien die Religionen „nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung gewesen“, erklärte Bünker wörtlich.

„Ich habe große Wertschätzung für Bundeskanzler Werner Faymann und ihn als ausgezeichneten Gesprächspartner in vielen grundlegenden Fragen erfahren.“ Mit diesen Worten reagierte Kardinal Christoph Schönborn auf den Rücktritt Faymanns von allen politischen Ämtern. Der scheidende Bundeskanzler sei in den letzten acht Jahren „in die europäische Dimension des Amtes hineingewachsen“ und habe sich „als ein Politiker erwiesen, dem Europa als völkerverbindendes Friedensprojekt ein großes Anliegen war“. Faymann habe auch um den „positiven gesellschaftlichen Stellenwert von Kirchen und Religionen“ gewusst. Zugleich ortete der Kardinal auch Differenzen mit Faymann: „Ich habe mir mit seiner Wende in der Flüchtlingsfrage schwergetan und öffentlich mehrfach erklärt, dass ich sie als eine provisorische Notmaßnahme verstehen kann, aber nicht für eine dauerhafte Lösung halte.“ Einig seien sich Schönborn und Faymann in der Überzeugung gewesen, dass es „eine gesamteuropäische Lösung mit mehr Solidarität“ dafür brauche. Ob in Europafragen oder in der Politik: „Ich hatte immer den Eindruck, dass sich Bundeskanzler Faymann ehrlich um einen Ausgleich unterschiedlicher Positionen bemüht hat“, meinte der Wiener Erzbischof.

Wie Bünker unterstreicht auch Schönborn das gute Verhältnis des Bundeskanzlers zu den Kirchen und Religionen in Österreich. Dies sei sowohl bei dem von Faymann initiierten Religionsdialog im Bundeskanzleramt als auch beim Wechsel der Religionsagenden in das Kanzleramt durch die Eingliederung des Kultusamtes deutlich geworden. „Österreich braucht jetzt rasch eine Regierungsspitze, die mit Besonnenheit und Verantwortungsbewusstsein das verlorengegangene Vertrauen wieder zurückgewinnen kann“, sagte der Kardinal im Blick auf die Zukunftsängste vieler Menschen. „Dafür braucht es vor allem Politiker, die immer den Menschen und das Gemeinwohl im Blick haben und dafür den Weg des Miteinanders gehen.“

ISSN 2222-2464