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Bünker: Transparenz, Opferschutz und offener Umgang mit Sexualität gehören zur Tradition der Evangelischen Kirche

Der Bericht der Bischofs vor der Synode A.B. im Wiener Kardinal König Haus – Für stärkere Zusammenarbeit in den Regionen

Wien (epd Ö) – Zu den vereinzelten Fällen von Gewalt bzw. sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Evangelischen Kirche A.B. hat sich der lutherische Bischof Michal Bünker öffentlich geäußert. In seinem Bericht vor der am 25. Oktober im Wiener Kardinal König Haus eröffneten lutherischen Synode erklärte der Bischof: „Ein Fall hat groben Sadismus und Quälereien in einem kirchlichen Heim in den frühen 1960er Jahren betroffen, ein weiterer sexuelle Gewalt gegen einen Konfirmanden durch einen Pfarrer in den 1970er Jahren. Aber auch aus jüngerer Vergangenheit wurde ein Fall von sexueller Belästigung bekannt.“

 

Bünker betonte, Transparenz, Opferschutz, ein offener Umgang mit Sexualität und sofortige Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden gehörten zur Tradition und zum Selbstverständnis der Evangelischen Kirchen. Vorfällen, die bekannt werden, werde, so der Bischof, „ausnahmslos nachgegangen“. Die Täter würden, sofern die Opfer damit einverstanden seien, nach der kirchlichen Disziplinarordnung verantwortlich gemacht und bei strafrechtlich relevanten Taten zur Anzeige gebracht. Bünker verwies auf die Beauftragte der kirchlichen Gleichstellungskommission, die als Kontaktstelle für Missbrauchsfälle zur Verfügung stehe, sowie auf die Kooperation der Kirche mit der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“.

In seinem Bericht über die Tätigkeit des Oberkirchenrates ging der Bischof auch auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen in der lutherischen und reformierten Kirche ein, die er als „unerfreulich“ bezeichnete. Von 2004 bis 2009 habe sich die Gesamtmitgliederzahl von 335.474 auf 325.314 verringert. Bünker forderte, „die kirchliche Arbeit auf allen Ebenen von einer weithin vorherrschenden Binnenorientierung zu einer Öffnung nach außen zu verändern“. Hier seien insbesondere die Gemeinden gefragt.

 

Regionalisierung schreitet nur langsam voran

 

Zur Personalsituation der Kirche merkte Bünker kritisch an, dass die angestrebte Regionalisierung der kirchlichen Strukturen nur langsam voranschreite. Um die PfarrerInnen „nicht sehenden Auges in ein ‚Burnout‘ fallen zu lassen“, brauche es das „unbedingte Einverständnis der betroffenen Gemeinden und den nötigen Willen zu verstärkter Zusammenarbeit“. Es sei zu fragen: Was kann weggelassen werden? Was kann eine gemeinsame Aufgabe sein? Ziel der Stellenplanung sei, sich „in absehbarer Zeit auf 250 Pfarrstellen einzupendeln“. Die allerdings brauche es, „um niemanden zu überfordern und weiterhin SeelsorgerInnen vor Ort zu haben“.

 

Bünker kündigte das kommende „Jahr der Ehrenamtlichkeit“ an als einen „Anlass zur Dankbarkeit und Freude, aber auch eine Herausforderung, wie es gelingt, die ehrenamtliche Tätigkeit für die Zukunft zu gewährleisten“.

Hinweis: Bilder zur Synode finden Sie auf foto.evang.at/

ISSN 2222-2464