Bünker: Religion muss im öffentlichen Raum geschehen können

Bei einem Vortrag in Wien nahm der evangelisch-lutherische Bischof Stellung zu den Themen Asylpolitik, Integration und Islam

Wien (epd Ö) – „Es gibt eine gewisse Hausordnung für Europa, und die gilt es auch, in die Diskussion einzubringen“, sagte Bischof Dr. Michael Bünker in seinem Vortrag „Asylpolitik, Integration, Islam“ im Karl-Kummer-Institut am Mittwoch, 2. April, in Wien. Zu dieser Hausordnung gehörten etwa die Durchsetzung der Menschenrechte, Demokratie oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau. „Die Kirchen werden hier selbstverständlich auch das Recht der individuellen und der kollektiven Religionsausübung betonen“, so der Bischof. Diese Hausordnung gelte „selbstverständlich für alle gleichermaßen“. Und so laute die Frage: „Wie können Kirchen und Religionsgemeinschaften gleichermaßen an die Akzeptanz dieser Hausordnung herangeführt werden?“ Dabei dürfe die Religion eben nicht in das Private abgedrängt werden. „Religion muss im öffentlichen Raum geschehen können.“

Integration muss der Gesellschaft etwas wert sein

Dieses Recht der öffentlichen und kollektiven Religionsausübung werde „sicher nicht“ von der evangelischen Kirche in Frage gestellt werden. „Für die muslimische Religionsgemeinschaft gehört dann auch der Bau von Moscheen dazu.“ Das müsse „von Fall zu Fall angeschaut und vor allem gut kommuniziert werden“. Es sei aber eine „Grundannahme, dass Österreich sich als Land versteht, das eine geordnete Zuwanderung braucht“. Diese Tatsache ist für Bünker „grundsätzlich positiv“. Integration bedeute auch, dass sie der aufnehmenden Gesellschaft „etwas wert ist und man dafür auch Mittel in die Hand nehmen muss“. Das hätten die Kirchen und Religionsgemeinschaften Österreichs auch in der Zusammenarbeit mit der Bundesregierung bei der Arbeit am Integrationsbericht formuliert.

Bei den Aufnahmegesprächen der Türkei in die EU müsse die Hausordnung „mit Nachdruck“ vertreten werden im Sinne einer guten und geordneten Zusammenarbeit. Das habe wirtschaftliche Hintergründe, aber auch religiöse: So verspreche sich der ökumenische Patriarch von Konstantinopel von einer Aufnahme der Türkei in die EU eine Verbesserung der Situation für die Christen in der Türkei.

Religionen verdienen wechselseitigen Respekt und Anerkennung

In der anschließend kontrovers geführten Diskussion betonte Bünker mehrfach und ausdrücklich, dass Religionen “ Anerkennung und Respekt voreinander verdienen“. Dies gelte selbstverständlich auch für die muslimische Religionsgemeinschaft, deren Anteil an der Gestaltung Europas in der Geschichte nicht unterschätzt werden dürfe. Ferner sei es „Fakt“, dass Menschen anderer Glaubensrichtungen „nun mal in Österreich leben. Ich bin der letzte, der hier eine religiöse Romantik vertritt, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Religionen dazu helfen können, dass Menschen miteinander leben können.“ Bei aller „berechtigten Sorge“ sei es unzweifelhaft, dass Religion für Versöhnung und Verständigung eintrete. „Und so sage ich hier in aller gebotenen Deutlichkeit: Religion verschlechtert nicht eine Gesellschaft, sondern verbessert sie.“

ISSN 2222-2464