Bünker: „Religion im öffentlichen Raum ist notwendig“

Bischof Bünker bei der Podiumsdiskussion in der Islamischen Religionspädagogischen Akademie
Bischof Bünker bei der Podiumsdiskussion in der Islamischen Religionspädagogischen Akademie

Podiumsdiskussion „Religion im Klassenzimmer“ in der Islamischen Religionspädagogischen Akademie

Wien, 25. Februar 2010 (epd Ö) – „Der Islam war und ist in Religionssachen immer offen für den Dialog, und der Islam ist auch offen für den Dialog mit der Zivilgesellschaft“, sagte der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, in seiner Begrüßung zur Podiumsdiskussion „Religion im Klassenzimmer“ im Festsaal des Privaten Studiengangs für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen in Wien am 25. Februar. „Wir werden hier heute unterschiedliche Standpunkte hören, und das ist gut für eine offene Gesellschaft.“ Davon könne man nur profitieren, so Schakfeh.

 

„Ja, Religion im öffentlichen Raum ist notwendig“, bekräftigte der lutherische Bischof Michael Bünker in seinem Eröffnungsstatement. Leider begegne einem die Religion im öffentlichen Raum vermehrt in der Politik des Innenministeriums, „nämlich wenn es um den Aspekt der Sicherheit geht“. Religion gehöre aber ebenso in den Bereich Soziales oder Bildung. „Und damit sind wir bei der Religion im Klassenzimmer: Für eine integrative Gesellschaft erreichen wir eine gelungene Integration, wenn das Thema Religion öffentlich sichtbar ist.“ Nur so könne die religiöse Vielfalt bedacht werden und daher gehöre Religion „als Fach unter Fächern“ an die Schulen. Das sei auch wichtig für die Identität der SchülerInnen und das Schulleben insgesamt: „Religion bestimmt das Schulethos und die Schulkultur, etwa bei der Frage, wie Feiern gestaltet werden. Sonst bedeutet Weihnachten irgendwann nur noch das Fest eines Rentiers mit roter Nase.“

 

Staat braucht Wertestifter

 

Auch Amena Shakir, Leiterin der Islamischen Religionspädagogischen Akademie, betonte, dass Religion „einen festen Platz im öffentlichen Raum und daher auch in der Schule“ habe. Religion müsse in der Schule einen Raum haben, damit Kinder sich als Teil der Gesellschaft fühlen könnten. „Dazu kommt, dass der Religionsunterricht der einzige Ort ist, an dem muslimische Kinder in Deutsch über den Islam kommunizieren und so lernen, auch in Deutsch über ihren Glauben zu sprechen.“

 

Der Staat sei darauf angewiesen, dass es Wertestifter gebe. Diese Funktion komme den Religionen zu, sagte Birgit Moser-Zoundjiekpon, Abteilungsleiterin des Erzbischöflichen Amts für Unterricht und Erziehung der Erzdiözese Wien. Daher sei es gut, dass die Zusammenarbeit zwischen Religion und Staat institutionalisiert sei. „Das gehört auch zu der Erziehungsarbeit, die der Staat in der Schule leistet, denn die Religion hat eine friedensstiftende und integrative Funktion.“ Die Religion sei jedoch keinesfalls allein in der Rolle eines Wertestifters, widersprach Heide Schmidt, Gründerin der Partei „Liberales Forum“. Immerhin gebe es die Trennung von Kirche und Staat in Österreich, „daher brauchen wir einen allgemeinen Ethikunterricht als Pflichtgegenstand. Hier erfahren die SchülerInnen etwas über alle Religionen, und das gleichberechtigt.“ Daneben könne und solle es Religionsunterricht als freiwilliges Fach geben, denn es sei durchaus „sinnvoll und richtig, dass Religion im Klassenzimmer Raum findet“. Nicht richtig sei es dagegen, dass in Klassenzimmern Symbole von Religionsgemeinschaften hängen, die die Mehrheit an der Schule ausmachen: „Religion kann nicht mehrheitsbestimmt sein.“ Man solle mit dem Thema der Schulkreuze „unaufgeregter“ umgehen, entgegnete Bischof Bünker: „Wichtig ist es, dass das Kreuz kein ‚Kulturlogo‘ etwa für ein ‚christliches Abendland‘ wird, und auf keinen Fall soll es ein Dominanzsymbol einer Mehrheit sein.“ Er selber habe aber noch keinen adäquaten Umgang mit diesem Thema gefunden. Moderiert hat die Podiumsdiskussion „Standard“-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid.

ISSN 2222-2464